Unfassbar: Chinesen konfiszieren den Lonely Planet…

Wenn die wüssten, wieviel dieses kleine Büchlein hilft… Wenn ich bedenke, dass man mir damals meinen Führer abgenommen hätte. Ich wäre hilflos und verloren gewesen 😦 ! Und dabei redet dieses kleine Schriftstück soviel schön und ist nur so gespickt mit euphemistischen Formulierungen… Naja, die Chinesen wissen’s besser, jedenfalls nehmen sie damit vielen Backpackern und Touristen DIE Reisegrundlage schlechthin. Clever, sowas direkt vor den Olympischen Spielen 2008 zu machen, aber die wissen schon, wie man sich als Nation nach außen präsentieren möchte…

http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,518262,00.html

Ich habe leider erst 2 Gelegenheiten gehabt, dieses Land zu besuchen – aber auch Hong Kong gibt mehr und mehr einen Eindruck, was China wirklich ist und was es bedeutet, Teil eines sozialistisch geprägten Landes zu sein, das in den kommenden Jahren eine verstärkt bedeutende Rolle in der Weltgeschichte tragen wird. Manchmal macht mir die Entwicklung dieses Landes etwas Angst – sicherlich fehlt mir das politische Know-How, um ein qualifiziertes Urteil abzugeben, doch sehe ich viel „Sprengungspotenzial“ in dieser Nation. Ein Volk, das bewusst beeinflusst wird, das gezielt von Wissen und Information aus der Außenwelt abgehalten wird und das mit einer Geschwindigkeit versucht, die „westliche Welt“ einzuholen, die kein Mensch vorher zu Gesicht bekommen hat, steht Prüfungen und Belastungen entgegen, die man sich bisher nicht vorstellen konnte. China bewegt sich mit rasenden Schritten Richtung 21. Jahrhundert, doch vertraut es auf ein System, das sich in vergangenen Jahrhunderten als ein System herausgestellt hat, das zwar von der Idee her positiv ist, aber von Menschen nicht tragbar scheint… Menschen bewusst zu manipulieren und mit Gesetzen und Regeln vom Fortschritt im gesellschaftlichen Sinne abzuhalten, lässt mich als Beobachter unwohl fühlen – ich möchte mir garnicht vorstellen, wie diejenigen sich fühlen, die die derzeitige Situation differenziert einschätzen können und in diesem Land wohnen. „Der Herr ist mein Hirte – das ist aber noch lange kein Grund, sich wie ein Schaf zu benehmen…“. Ich bin mal gespannt, wann die ersten ihre Schafspelze ablegen und anzuzweifeln beginnen, was ihnen als Wahrheit vorgelegt wird…

Lamma Island

Am Samstag war mal wieder Beach-Zeit angesagt. Henrik und ich haben unsere sieben Sachen gepackt und es ging auf nach Lamma Island, denn hier sollte einer der schönsten Strände der Gegend sein (sagt mein Führer). Also, früh aus den Federn und ab auf die Fähre nach Lamma Island.

Lamma Island ist die drittgrößte Insel von Hong Kong und angeblich die grünste und abgelegenste. Ich schwärmte in Gedanken schon wieder von verlassenen Sandstränden, Isolation und grünen Urwaldabschnitten… Lantau Island hatte damals ja beinahe alle Versprechungen gehalten und wenn Lamma noch schöner sein sollte, na dann!
Die Überfahrt war eher unangenehm, denn der Dampfer war zu, auf 10°C runtergekühlt und nicht so hübsch wie die anderen Kähne, die ich hier bisher geritten bin. Aber zum Glück war das Inselchen nicht soooo weit weg, nach knapp 25 Minuten waren wir schon da und uns offenbarte sich eins der letzten Fischerdörfchen in Hong Kong:

 

War mal wieder „nicht ganz so schön“, wie ich mir das erhofft hab – da im Hintergrund ist übrigens HK Island… Aber anscheinend scheint sich eine meiner Feststellungen immer mehr zu bestätigen: HK-Chinesen haben absolut NICHTS für Ästhetik, Städtebau, Lebensqualität und „Schönheit“ übrig. Irgendwie ist hier alles verdammt effizient und funktioniert einigermaßen, aber auf alles ästhetische und Lebensqualität schenkende wird hier garkein Wert gelegt…

Stichwort effizient: Kinderarbet in Hong Kong, selbst die Jüngsten müssen hier mit anpacken (*Scherz*)… Hier eine europäische-Gastarbeitervogelscheuche:

Teilweise hat Lamma Island dann doch das erfüllt, was ich mir erhofft hatte: Die Insel war stellenweise verdammt grün, pro Quadratmeter standen hier mehr Bäum als in ganz HK Central zusammen:

Dennoch waren die Siedlungen, die sich auf dieser Insel wieder von Beton und unhübschen Häusern dominiert. HK-Chinesen scheinen eine Affinität zu Beton zu haben, denn alles, aber auch wirklich alles, was Menschen betreten können ist betoniert, eingezäunt und gefegt… Vielleicht spielt hier auch wieder der Effizienzgedanke eine Rolle. Nicht umsonst träumt der eine oder andere Deutsche von ner Waschbeton-Idylle anstelle des dauernd wachsenden Rasens, ne?

Der Strand war im Grunde „OK“ – nichts gegen Shek-O, der ist weiterhin ungeschlagen. Hier störten mehrere Dinge: Der viele Beton im Hintergrund, 30 kleine Chinesen, die laut brüllend jeden Stein am Strand ins Wasser werfen wollten und das schicke Kohlekraftwerk, dass hier direkt in die Natur gebombt wurde.

Ich hab mich anderweitig beschäftigt und nen bisl mit dem Kollegen hier gekämpft:

War ne kleine Local-Krabbe, die wohl dachte, dass ich sie direkt verspeisen würde. Wenn der gewusst hätte, dass ich trotz meiner nordischen Herkunft Fisch und alles andere Meeresgetier verschmähe, hätten wir bestimmt noch länger unsern Spass gehabt. Die Dinger sind verdammt schnell, hab noch nie so eine fixe Krabbe gesehen… Der kleine hier hat direkt nen Sprint ins Wasser hingelegt, als sich die Chance ergab 😦 …

Auf dem Rückweg zeigten sich dann mal wieder die typischen Hong-Kong-Kontraste… Phantastisch grüne Idylle:

Leckeres Kraftwerk:

… ich frag mich immernoch, wie zum Teufel kann man in solche Idylle ein gigantisches Kohlekraftwerk bauen…? Ich versteh das nicht, aber Effizienz besiegt mal wieder Raison. Der Weg nach Yuen Shue Wan, dem Ort, an dem wir die Insel verlassen wollten, war voll mit Chinesen, die hier ne kleine Auszeit von der Stadt nahmen… War ziemlich voll – lag wahrscheinlich am guten Wetter und daran, dass Samstag war :)!

Unsere kleine Wanderung endete in nem weiteren Fischerdorf, was wiedermal einfach hässlich war. Sorry, aber maritime Idylle kenn ich anders:

Naja, ich werd wohl meinen nächsten Ausflug wieder nach Shek-O machen müssen, denn der „schönste Strand der Insel“ konnte bei weitem nicht das halten, was mir Shek-O gezeigt hat. Aber halb so wild, Shek-O ist sowieso einfacher zu erreichen, ne? Aber erstmal steht ne weitere Woche Uni an, vielleicht hält das Wetter noch bis zum Wochenende… Heute war’s echt mal verhältnismäßig kalt. Es war der erste Tag, wo es drinnen wärmer war als draußen. Entweder sind alle Klimaanlagen in der Uni ausgefallen, oder die kamen einfach nicht mehr hinterher…

Egal – Mittwoch ist auch noch gutes Wetter angesagt und da hab ich eh frei… Mal schauen, was die Temperatur dann sagt 🙂 !

Shenzhen

Mein zweiter Trip in Richtung „Mainland China“ stand heute (Mittwoch) auf dem Zettel. Da heute eh keine Uni war, hatte ich mir vorgenommen, meine Weihnachtseinkäufe hier größtenteils zu erledigen: Die gesamte bucklige Verwandtschaft wird mit Gucci-Taschen eingedeckt 🙂 ! Nein, so einfach hab ich mir’s dann doch nicht gemacht – und hier wird sowieso nichts verraten!

Shenzhen – DIE „Special Economic Zone“ Chinas – hat mich schon während meiner Schulzeit im Erdkundeunterricht verfolgt… Die Sonderverwaltungszone Shenzhen, liegt im Süden von China und hat folgendes Klima, blabla. Heute war Realität dran und es ging mit der KCR, einer Art Zwiddererscheinung aus Zug und U-Bahn von TST aus nach Lo Wu, der letzten Stadt vor der Chinesischen Grenze, von da sollte man angeblich nach China rüberlaufen können…

Ich war ein wenig skeptisch, denn selbst der „Lonely Planet“, der sich sonst bei jeder noch so kleinen Attraktion in Oden des Jubels überschlägt, hat Shenzhen eher „trocken“ beschrieben: „It’s true that Shenzhen has been a commercial success, but it remains a place without much culture or spirit.“ LÜGE!!!
Shenzhen hat ÜBERHAUPT keine Kultur und ÜBERHAUPT keinen „Spirit“. Wer bezahlt diese Reiseführerleute dafür, dass die alles schönreden und selbst dem letzten Flecken Erde was Positives abgewinnen können? Shenzhen war der absolute Oberdreck und einfach ununterbrochen furchtbar!!! Ich hab in meinem ganzen Leben noch nie, nie,niiiiiieeeee eine Stadt gesehen, die so charakterlos und langweilig war wie Shenzhen! Es war mehr oder weniger eine Ansammlung von Straßen, Häusern, Ramsch-Läden und Baustellen – aber Stadt? Nein – das wäre definitiv ein Euphemismus.

Ich bin ja so erzogen, dass ich es absolut gewöhnt bin, in jeder Stadt, die ich besuche, erstmal einen kleinen Sightseeing-Abstecher zu machen… Auch das wollte ich in Shenzhen nicht verpassen. Also, ab in Richtung Norden (nen Stadtzentrum schien es nicht zu geben…). Aber leider hat sich mir auf meinem 2-stündigen Walk absolut nichts dargeboten! Es gab einfach NADA, was interessant war! Wirklich absolut nichts. Das einzig interessante war wohl ich, denn hier habe ich mich wirklich wie ein „Laowai“ (chinesich für „weißer Geist“) gefühlt. Die Leute haben mich sowas von angestarrt… Anscheinend verirren sich nicht viele Touris in dieser Stadt – das Gros scheint direkt in die Mall zu gehen, die sich an den Bahnhof anschließt… Zum Glück bin ich ein großer böser weißer Geist – ich hatte an einigen Stellen schon das Gefühl, dass mich 1. keiner verstehen würde, wenn ich um Hilfe schreien müsste und 2. die Straßen ab und zu recht unheimlich waren.

Heeeeeeeefffeeee! Ab in die Mall, ich hatte genug von diesen unfassbaren Kulturreliquien Chinas und musste dringend noch meine Erledigungen machen. Also ging es ab in die 6-stöckige Mall. Von China, bzw. Beijing, war ich ja eigentlich nur Positives gewohnt – gute „Fake“-Qualität zu vernünftigen Preisen… War zwar auch dort sehr stressig, aber es hatte sich jedenfalls gelohnt. Was mich in Shenzhen erwartete war aber heftig. Wenn die Hölle einen Markt für falsche Taschen, Sonnenbrillen und Uhren hat, dann sieht der bestimmt haargenau aus wie die Luohu Commercial City. Definitiv…
„Wanna buy watch, sunglasses, MP4-Player?“ – dieser Satz erwartete mich alle 4-5 Meter -an jedem Shop, in 50 verschiedenen Betonungen und Akzenten. Überall, von allen Seiten. Grauenvoll!! Und dabei bin ich einiges gewohnt – immerhin hab ich schon Tunesien, Israel, Saudi-Arabien und Chinatown (N.Y.C.) überstanden. Aber dieses Shopping-Gedöns hier in Shenzhen toppte alles: Kettenrauchende Verkäufer (gibts in Hong Kong nirgendswo), laute Musik, tausende Shops und unglaublich aufdringliche Verkäufer… Wirklich nicht meine Welt. Ich hab mich schnell mit der neuesten Hehlerware auf dem Kinomarkt eingedeckt und wollte dann noch schick was für die Mami einkaufen. Die anvisierten Artikel entsprachen aber nicht meinen Qualitätsvorstellungen, so dass ich dankend ablehnte. Das aber hatte ein kleiner netter Chinese hinter mir mitbekommen und fragte mich prompt, ob ich nicht Interesse an „A-Quality“ hätte… Ich natürlich: Klar – warum nicht! Wo denn?

 Und da war mal wieder der Knackpunkt…: „In my warehouse, just around the corner“. Ich weiß nicht mehr genau, welche Ecke der gute Mann meinte, aber nachdem ich 10 Minuten durch die Stadt gerannt war (aus der Mall raus, versteht sich…), kamen wir endlich an einem Hochhaus an. Das sah mir eher nach Schlachthaus aus (gekachelte Wände, etc.) und nachdem wir mit dem Aufzug in den 7. Stock und dann mit der Treppe runter in den 6. gegangen waren, kamen mir auf einmal wieder die Gedanken von unfreiwilligen Organspendern in den Kopf… Hilfe! Aber egal, was tut man nicht alles für ein frohes Fest, ne?!
Am Ende eines langen Ganges offenbarte sich mir dann das „warehouse“: Doppelte Tür, Guckloch und Vorhang mussten durchquert werden – the police is watching… Aha – die Chinesen bekommen also so langsam von Herrn Gucci und Frau Versace auf die Finger… Dieses „warehouse“ war eigentlich mehr ne 1-Zimmerwohnung, die randvoll mit Taschen, Uhren, Sonnenbrillen und anderem Gedöns war. Überall gefakte Markenartikel – rappelvoll die Butze. Ich hab dann auch glücklicherweise meine Sachen gefunden und konnte beginnen, zu handeln. 2.200 HK$ war der Start – immerhin 220 Euronen! Und das für Fake-Artikel… Unfassbar, ich hab erstmal herzlich gelacht. Aber nach einer heftigen Diskussion und 15 Minuten bin ich dann doch sehr froh und um wenig Geld erleichtert aus dem Warehouse (lebendig) rausgekommen. Ca. 1/6 des vorgeschlagenen Preises halte ich für einen Erfolg. Ich wurde übrigens als sehr anstrengend und konsequent beschimpft. seee Jermäns halt :)…

Meine Füße tun unglaublich weh und ich freu mich gerade, dass ich schön baden konnte und jetzt gestriegelt im Bett liege, um mir einen der 9 Filmchen anzugucken, die ich mir für’n Euro das Stück ergaunert habe… Ach, wie schön kann das Leben in Hong Kong doch sein – es geht irgendwie immer schlimmer, oder?

Shek-O!!!

Bis Freitag dachte ich ja, dass ich diesen Ort am 16.12.2007 im Zustand einer ernsthaften geistigen Verwirrung verlassen würde, doch seitdem ich diese Oase der Ruhe, diesen letzten Flecken Natur in Hong Kong entdeckt habe, gehts mir um Längen besser – jedenfalls, wenn ich dort am Strand liege…
Nachdem ich Samstag und Sonntag schon dort war, hab ich mich heute entgegen meiner Universitären Verpflichtungen (ein nutzloser Kurs weniger, yippie) entschieden, nochmal nach Shek-O zu fahren, denn die Entspannung tut mir sichtlich gut und gebräunt im verregneten Germany anzukommen kommt auch sehr gut :)…

Heute standen die Chancen auf einen sonnigen und warmen Tag nämlich sehr gut, wie man sieht:

Direkt vor meiner Haustür begegnet mir ein Chinese mit Jacke, langer Hose und Regenschirm (aufgespannt). Das kann nur eins heißen: Sonne, Sonne und noch mehr Sonne! Also, ab gings in die U-Bahn, direkt nach Shau Kei Wan und dann mit dem Bus weiter nach Shek-O:

Shau Kei Wan scheint einem nochmal kurz deutlich zu machen, was man hinter sich lässt, um das „Tal“ von Shek-O umso schöner erscheinen zu lassen…

(Wie man so ein Foto mit Selbstauslöser macht… 🙂 Hah, da kannste mal sehen…! Nein – ich gebs zu, das ist alt und das hat Henrik geschossen!)

Nach einem kleinen Lunch hab ich mir dann schön 4 Stunden die Sonne auf den Pelz brennen lassen und einen seeeeehr angenehmen Tag gehabt. Zurück gings dann um 5 und irgendwie habe ich eine neue Hong Kong-Sportart entdeckt: „Wir versuchen konstant, die Außentemperatur drastisch zu unterbieten…“ Denn im Bus kam ich mir vor wie Iglogemüse im Kühltransporter…. Brrr… Vielleicht ist das so ein Gimmick der Regierung, damit der Absatz von Wintermänteln doch noch einen Sinn hat?! In der U-Bahn wars auch entsprechend fröstelig. Aber wenn man schonmal im Zeitalter der knappen Energiereserven ist, sind 16°C doch noch human, oder? Immerhin wäre man doch bestimmt in der Lage, Eiskristalle zu produzieren…

O, Shek!

Äääähh, quatsch: Oh, Schreck!

Hong Kong ist mir die ganze Woche so auf den Zeiger gegangen, dass ich mich entgegen meiner Pläne (Shenzhen-Shopping) entschieden habe, am Samstag an den Strand zu fahren, denn das Wetter spielte mit: 25°C und Sunshine, Baby!

Dementsprechend gings mit Henrik ab nach Shek-O. Treffpunkt 11:30Uhr Caine Restaurant, erstmal was essen und entscheiden, wo es überhaupt hingehen soll. Das war aber nicht schwer, denn diese Beschreibung war einfach zu verlockend: „… das letzte Dorf in Hong Kong, einer der schönsten Strände der Insel.“ Das war wirklich nicht schwer… Also, erstml ab in die Drogerie, Sonnencreme kaufen. Und was da in den Regalen stand, hat mich erstmal umgehauen: Lichtschutzfaktor 135 (!). Kein Scheiss! Ich nenn die ab jetzt LSF ‚MJ‘, denn Michael Jackson wäre bestimmt stolz auf diese Abart von Sonnenschutz… Da wird man doch weißer als vorher und kann trotzdem an den Strand – genial! Egal – ich hab die Damen erstmal gefragt, wo denn Sonnenschutz für Normalsterbliche stehen würde – und siehe da, es gab wirklich noch ne 15er, was in Deutschland schon ab und zu „Sunblock“ heißt 😉 …

So, danach gings ab in die U-Bahn (ja, mann kann mit der U-Bahn an den Strand fahren…) in Richtung Shau Kei Wan. So weit war ich bisher noch nie in Richtung Osten gefahren, aber Shek-O, der anvisierte Strand lag sogar noch 20 Bus-Minuten weiter Süd-Östlich. Glücklicherweise waren Bus & U-Bahn relativ leer, denn sobald die offizielle Badesaison (Ende Oktober) vorbei ist, geht der Chinese nicht mehr an den Strand. Schal und Regenjacke werden rausgeholt und unabhängg von Außentemperaturen umgelegt – es ist ja schließlich Herbst und mein Kalender sagt November! So ähnlich stell ich mir das vor. Ich kam mir jedenfalls ziemlich bescheuert vor, als ich mit FlipFlops, Badeshorts und T-Shirt Menschen in Trenchcoat, Regenjacke und Schal gegenübersaß – aber egal: Für mich bleiben 25°C und Sonne eben 25°C und Sonne, egal ob November oder Juli. Das gute daran war, dass der Strand wirklich human voll war, denn nur ein paar Expats und wenige, lebensmüde Chinesen (aaahhh!!! Sonnenstrahlen ohne Regenschirm und Mega-Sonnenhut!!!) bevölkerten den Strand:

Ahhh – das war genau das richtige. Ein totaler Kontrast zum sonstigen Hong Kong: Ruhe, frische Luft und wenig Menschen. Wie gut einem das tun kann… Man hatte beinahe das Gefühl, in einer anderen Welt zu sein, nachdem man die Smog-Glocke hinter sich gelassen hatte und frische Seeluft atmen konnte…

Das war so entspannend, dass wir es dem Kollegen hier direkt nachgemacht haben und uns entspannt in die Sonne gelegt haben…

Hach, war das schöööön. Der Strand war echt die Bombe – entspannt leise, riesen Wetter und Wasser mit vernünftigem Wellengang – was will man mehr. Und gleichzeitig haben die 2 hier richtig für Ordnung gesorgt: Putzkolonne, Modell „Lampenschirm“ 🙂 …

Nachdem wir dann 3 Stunden in der Sonne gebraten hatten, wollten Henrik und ich nochmal das „letzte Dorf“ erkunden… Das war dann wie erwartet doch nicht sooo schön wie angekündigt, aber irgendwie erinnerte einen das eher an Lloret de Mar oder Mini-Rimini, denn architektonisch ansehnlich war hier mal wieder wenig. Umso ansehnlicher war aber die Halbinsel, die wir gleich noch erklommen:

Siehe da, es scheint doch noch Leute zu geben, die auf abgeschiedene Idylle wert legen und überraschender Weise Sinn für Ästhetik und Optik zu haben scheinen…

Kurz darauf ging auch schon wieder nach Hause, die Brandung grüßt:

Wenn man sich diesen Flecken Erde anschaut, kommt man schwer ins Grübeln… Mir sind fast die Tränen gekommen, denn die Kontraste sind so riesig. Man stelle sich mal vor, dass die ganze riesige Insel „HK Island“ einmal so ausgesehen haben muss. Von vorne bis hinten – mit steilen Bergen, schönen Stränden, Wäldern und Wiesen, Flora und Fauna und was man sonst noch so alles möchte… Es muss vor vielen Jahren mal wirklich erträglich gewesen sein. Bis zu dem Tage, andem ein Haufen Verrückter auf die Idee gekommen ist, dass Beton schicker als Urwald und gekachelte Promenaden schöner als Sandstrände sind…
Eigentlich war ich nie Naturfreund, aber dieser Kontrast zeigt einem auf drastische Art und Weise, was man alles falsch machen kann und wie man einen wundervollen Flecken Erde in einen stinkenden, hässlichen und lauten Moloch verwandeln kann, nur um den vermeintlichen Weg zum Erfolg möglichst schnell zu erreichen – ohne Rücksicht auf Natur, Kultur und Mensch.

Aber, nichtsdestotrotz hieß es: „Zurück in die Zivilisation“…:

Den Rückweg sind wir dann auf traditionelle Art und Weise angegangen: Mit der Tram. Die fährt nämlich seit 100 Jahren quer durch Hong Kong. Hat zwar anderthalb Stunden gedauert, war aber schön und eindrucksvoll. Denn diesen Teil von Hong Kong hatte ich vorher noch nicht gesehen… War aber auch nicht wirklich schlimm: Der einzige Unterschied war irgendwie, dass hier die Häuser nicht pastellfarben, sondern weiß (bzw. grau) waren… Naja, es lebe die Kreativität.

Frauen und Kinder zuerst!

Nein, das schifft sinkt nicht – aber es verlässt den Hafen etwas früher Richtung Heimat. Die Entscheidung fiel nicht schwer, meine Pflichtzeit hier in Hong Kong endet etwas früher als erwartet und dementsprechend flieg ich direkt 24 Stunden später ab. Emirates Airline war so freundlich, meinen Flug kostenlos auf den 16.12.2007, 00:35 Uhr zu verlegen. 7 Tage scheinen nicht viel zu sein, doch 7 Tage machen mir momentan sehr viel aus. 7 Tage früher zurück, 7 Tage mehr Ruhe, 7 Tage mehr Schlaf, 7 Tage mehr gutes Essen :)! Hört sich herrlich an… Vor allem, wenn ich bedenke, dass mein ursprünglicher Flug umgelegt wurde und nun Hong Kong-Bangkok-Dubai-Hamburg geflogen wäre… Dass sowas möglich ist, wusste ich auch noch nicht, aber ich bin froh, dass ich diese Bummelbahn-Reise nich hinter mich bringen muss – das Teil hält ja fast in jedem Kuhdorf aufm Weg! Unfassbar…

Was Hong Kong angeht: Nein, es ist zu früh, ein Schlusswort zu schreiben – dafür bin ich noch nicht nah genug am Ende. 37 Tage trennen mich noch von Flugzeug und Heimat. Aber allein der Fakt, dass ich seit der 2. Woche hier ein DINA4-Blatt mit Tagescountdown führe, sagt genug aus, denke ich. Hong Kong und ich wurden nie Freunde und selbst die Zweckbeziehung hat einfach nicht funktioniert. Wir werden uns wohl wegen „unüberbrückbarer Differenzen“ wieder trennen müssen, Gütertrennung gibts nicht – ich lass höchstens meine Handtücher hier und mein Besteck und vielleicht meine schicke Schüssel! Hah – mehr gibt’s nicht…

Nein. Der mag das gerade garnicht. Wenn ich ein Gedanke wäre, würde ich eher denken: „Oh, Scheiße, schnell raus hier…!“

Aber: Ich kann sagen, dass ich es versucht habe. Ich habe mehrere tiefe Tiefs durchlebt, hab mich mehrfach wieder aufgerafft und habs letztendlich doch nicht geschafft, in Hong Kong „anzukommen“. Es war, als wenn man Duplo- und Legosteine miteinander verbinden wollte und es einfach nicht klappen wollte. Der Kleber hat zwar kurze Zeit gehalten, „solide“ war die Geschichte aber von Vornerein nicht. Ich kann es nur wiederholen: Hong Kong ist und bleibt ein Abenteuer für mich, die Uni war die größte Enttäuschung und die Stadt ist mir einfach zu anstrengend und zu fremd, von den Menschen ganz zu schweigen. Das alles soll nicht abfällig klingen, es ist letztendlich nur meine subjektive Meinung. Doch um in Hong Kong mehr schönes als schlechtes zu finden, muss man wirklich schon die Toleranzbrille aufsetzen. Ich bin zu wenig Chamäleon, um mit dieser Welt zu verschwimmen – ich fühl mich immernoch wie ein Karnickel im Meerschweinchenstall. Es gibt definitiv schönere Orte auf dieser Welt…

Aber das hier soll ja auch kein Reiseführer sein! Und es soll auch keinen davon abhalten, Hong Kong zu besuchen. Vielleicht dient es ja irgendwann als „Orientierungshilfe“ für andere (obwohl ich bei den Suchbegriffen, mit denen Leute auf meiner Seite landen, doch etwas stutzig werde…). Mein Reiseführer würde ungefähr so beginnen:

Hong Kong Airport. Ein Wunderwert der Technik – der wahrscheinlich schönte und beste Flughafen der Welt erstreckt sich vor Ihren Füßen. Noch ärgern Sie sich über das Gewicht Ihres Gepäcks, aber bald werden sich unsere Tipps auszahlen: Atemschutzmaske, professionelle Bau-Ohrschützer, Ihre Sammlung klassischer Entspannungsmusik und eine riesen-Ration Aspirin. Auf diesem Areal werden sie auch gleich Zeuge der größten kulinarischen Attraktion der Stadt, die Sie komischerweise NUR hier auf dem Flughafen finden werden: Burger King. 🙂

Nein…. Ich sollte ein anderes Business wählen…

Fottos!

So, da mein Account mal wieder voll war, hat’s etwas gedauert… Aber jetzt gibts mal wieder nen paar Fotos der letzten Tage.

Mein persönlicher Wecker: Jeden morgen um 7.30Uhr kommen meine 400 kleinen Nachbarn in diesen Bussen um die Ecke gekarrt (Schule im Hinterhof…). Wer weiß, was chinesische Busse machen, wenn sie rückwärts fahren??? Richtisch…: BeepBeepBeep – oder eher MööööpMööööpMööööp. Unheimlich schön bei 0.5cm dicken Scheiben… Argh.

Das ganze geht auch etwas romantischer. Am Wochenende ist ja gewöhnlich keine Schule. Zur Abwechslung gibts dann Hochzeiten (so ab 8.30 Uhr…). Irgendwie scheint grad Saison zu sein, denn pro Wochenende gibts hier locker 3-4 Hochzeiten (natürlich auch direkt in meinem Hinterhof – und Hochzeitsgesellschaften reisen hier auch in Bussen an). Argh².

Letzte Woche: Oktoberfest Hong Kong. Geht nicht klar, oder? Aber für einen, der nicht mal das deutsche Pendant besucht hat – eine wunderbare Erinnerung an Deutschland. Wiesnbier, original Bayrische Band, Bretzel und Schunkel… Sehr witzig! Hat ne Menge Spaß gebracht, wie man sieht:

Gezwungenes Foto-Lächeln, Schweden vs. Deutschland:

Ein reines Fest:

„Just like you do at home…“ – war der Kommentar dieses Süddeutschens Blasorchestermeisters, als die arme Asiatin am Alphorn debütierte:

In München steht ein Hooooofbräuhaus, oder so ähnlich:

Henrik – Codename „Tony Banana“ mit Besuch aus Deutschland (im Vordergrund): Ganz gemäß unserer Taktik: „No – I do not wanna talk to you. No I do not want you as my girlfriend. I’m gay.“ Beste Abwehrtaktik gegen aufdringliche Asiatinnen.

Ein sehr glücklicher Schwede mit deutscher Tischpartnerin (die noch nicht weiß, was ihr bevorsteht…)