Die letzen Tage…

sind schon fast gezählt… Und da ich verdammt lange schon nichts mehr geschrieben habe, nutze ich den Infekt, der mich momentan davon abhält, mein Bett zu verlassen, um noch mal einen kleinen Beitrag zu verfassen. Immerhin ist heute schon Donnerstag, was so viel bedeutet, dass mein vorvorletzter Tag in Hong Kong angebrochen ist…!

Die Uni ist in den letzten Tagen so dahingeplätschert und wir haben allesamt die letzten Tage in der Bibliothek verbracht. Trotz meiner eher mageren Klausurausbeute gab es doch das eine oder andere zu tun. Leider hat alles andere (Nachtleben, Ausflüge, etc.) etwas darunter gelitten, so dass wirklich nicht viel passiert ist.

Ich freue mich riesig auf Deutschland, denn auch kurz vor dem Ende muss oder kann ich zugeben, dass Hong Kong nicht meine Welt war und sein wird. Ich hab mich nie wirklich wohlgefühlt – auch, wenn ich es streckenweise wirklich stark versucht habe. Man muss schon in der Lage sein, über wesentliche Dinge hinwegzusehen und vieles ausblenden können, um in dieser Stadt mehr positives als negatives zu sehen. Dabei möchte ich nicht alles schwarzmalen, aber es kann mir keiner erzählen, dass Hong Kong es einem einfach macht… Hong Kong bietet unheimlich viele Gelegenheiten und ermöglicht vielen einen „Neustart“. Egal wo man herkommt, in HK ist erstmal alles möglich. Doch stehen für mich auf der anderen Seite der Gleichung zu viele schwerwiegende Argumente, die nie im Leben durch Geld, Erfolg und der Möglichkeit, „neu anzufangen“, eliminiert werden könnten.

Hong Kong ist in vielerlei Hinsicht ein Abbild von „Sin City“. Hier ist alles möglich, die Kontraste sind enorm und irgendwie hatte ich zu viel das Gefühl, dass Rücksicht, Freundschaft und Wärme nichts zählen. Angefangen von den manchmal schon erschreckenden Zuständen in Wan Chai, dem Rotlichbezirk in dem jeder noch so verschrobene Schraubenhersteller aus dem Schwabenländle trotz Oberlippenbart und Halbglatze nochmal seinen 2. Frühling erlebt, bis hin zu den riesigen Kontrasten zwischen der weltgrößten Rolls-Royce Bestellung des Peninsulas und den unzähligen Sozialwohnungen, in denen der Großteil (!) der Hong Konger Bevölkerung auf unwürdigen 30-40qm pro Familie (3-5 Menschen) lebt…

Jemand hat mal zu mir gesagt: „Don’t blame them – that’s just Chinese!“, was soviel bedeutet wie: Die können da nichts für, so ist China halt… Klar – wenn man sein Leben lang nichts anderes gewohnt ist und die Welt nicht anders kennt, dann merkt man irgendwann nichts mehr und das kleinste Flimmern erscheint auf einmal wie ein Flutlichtmast… Aber mal ganz ehrlich: Wir Europäer wissen NICHTS über China. Jedenfalls kann ich das aus meiner eigenen Erfahrung sagen: Als ich hierhergekommen war, war China für mich Kultur, Respekt, schöne Tempel, Terrakottakrieger und Fahrräder. Das, was sich aber wirklich im Fernen Osten abspielt, hat absolut nichts mit dieser Wahrnehmung am Hut. Wer sich nur einmal die Mühe macht, Abseits von HK-Central, Abseits von der verbotenen Stadt und Abseits der Großen Mauer, mit offenen Augen umzuschauen, sieht das, was China wirklich ist und versucht zu sein… China ist seit einigen Jahren auf dem Weg, eine der großen Weltmächte zu sein – und das mit Biegen und Brechen und einem unheimlichen Tempo. Dass da vieles unter den Tisch fällt, bzw. unter den Teppich gekehrt wird, kann man verstehen. Für mich ist es schwer, die Parallelen zwischen „unserer“ Industrialisierung und der derzeitigen Entwicklung in China zu sehen – aber wer weiß: Vielleicht haben wir damals ja eine ähnliche Entwicklung durchgemacht und haben uns einfach etwas mehr Zeit gelassen?! Hmmm… wir werden alle sehen, was dabei rauskommt, nicht wahr?!

Bevor ich nach China gekommen war, hat mir ebenfalls mal jemand erzählt, dass es in China ja so viele Millionenstädte geben würde, von denen die meisten Europäer ja noch nie gehört hätten: Shenzhen, Guangzhao, Chengdu… Klar – dies sind alles Epizentren der Chinesischen Entwicklung, aber im Gegensatz zu San Francisco, New York, Madrid, Paris, Berlin und, und, und sind diese Städte innerhalb von 10-15 Jahren aus dem Boden gepresst worden und bieten neben einem stattlichen BIP und hohen Wachstumsraten absolut N.I.C.H.T.S. ! Auf mich haben die Städte, die ich hier gesehen habe den Eindruck von Geisterstädten gemacht, denn neben den paar Relikten der Kultur, die man stehengelassen hat, hatten sich mir nur unansehnliche Hoch-Wohnhäuser und charaktelose Städte offenbart… Hmm… Vielleicht hätte ich das alles als ein riesiges Gelsenkirchen sehen sollen: Hässlich, aber irgendwie doch wichtig für Aufschwung und Land 😉 ?! Ich bin auf jedenfall gespannt, was mit China passiert… Ich bin mittlerweile auch Anhänger der Verschwörungstheorie, die behauptet, dass in China nach den Olympischen Spielen etwas „großes“ passiert – was, das weiß nur Nostradamus oder die Illuminati, nicht wahr…? 🙂

Ich schwinge Samstag Nacht aber wieder meine Flügel und steige mit großer Vorfreude in meinen Emirates-Flieger und freue mich auf ein leckeres Essen in Hamburch City…

Ich hab mich beim Schießen des Fotos gefragt, was dem armen kleinen Kerl wohl durch den Kopf gegangen sein muss – aber irgendwie hab ich manchmal das Gefühl, dass wir in diesem einen Moment genau das gleiche gedacht haben müssen…

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