Shenzhen

Mein zweiter Trip in Richtung „Mainland China“ stand heute (Mittwoch) auf dem Zettel. Da heute eh keine Uni war, hatte ich mir vorgenommen, meine Weihnachtseinkäufe hier größtenteils zu erledigen: Die gesamte bucklige Verwandtschaft wird mit Gucci-Taschen eingedeckt 🙂 ! Nein, so einfach hab ich mir’s dann doch nicht gemacht – und hier wird sowieso nichts verraten!

Shenzhen – DIE „Special Economic Zone“ Chinas – hat mich schon während meiner Schulzeit im Erdkundeunterricht verfolgt… Die Sonderverwaltungszone Shenzhen, liegt im Süden von China und hat folgendes Klima, blabla. Heute war Realität dran und es ging mit der KCR, einer Art Zwiddererscheinung aus Zug und U-Bahn von TST aus nach Lo Wu, der letzten Stadt vor der Chinesischen Grenze, von da sollte man angeblich nach China rüberlaufen können…

Ich war ein wenig skeptisch, denn selbst der „Lonely Planet“, der sich sonst bei jeder noch so kleinen Attraktion in Oden des Jubels überschlägt, hat Shenzhen eher „trocken“ beschrieben: „It’s true that Shenzhen has been a commercial success, but it remains a place without much culture or spirit.“ LÜGE!!!
Shenzhen hat ÜBERHAUPT keine Kultur und ÜBERHAUPT keinen „Spirit“. Wer bezahlt diese Reiseführerleute dafür, dass die alles schönreden und selbst dem letzten Flecken Erde was Positives abgewinnen können? Shenzhen war der absolute Oberdreck und einfach ununterbrochen furchtbar!!! Ich hab in meinem ganzen Leben noch nie, nie,niiiiiieeeee eine Stadt gesehen, die so charakterlos und langweilig war wie Shenzhen! Es war mehr oder weniger eine Ansammlung von Straßen, Häusern, Ramsch-Läden und Baustellen – aber Stadt? Nein – das wäre definitiv ein Euphemismus.

Ich bin ja so erzogen, dass ich es absolut gewöhnt bin, in jeder Stadt, die ich besuche, erstmal einen kleinen Sightseeing-Abstecher zu machen… Auch das wollte ich in Shenzhen nicht verpassen. Also, ab in Richtung Norden (nen Stadtzentrum schien es nicht zu geben…). Aber leider hat sich mir auf meinem 2-stündigen Walk absolut nichts dargeboten! Es gab einfach NADA, was interessant war! Wirklich absolut nichts. Das einzig interessante war wohl ich, denn hier habe ich mich wirklich wie ein „Laowai“ (chinesich für „weißer Geist“) gefühlt. Die Leute haben mich sowas von angestarrt… Anscheinend verirren sich nicht viele Touris in dieser Stadt – das Gros scheint direkt in die Mall zu gehen, die sich an den Bahnhof anschließt… Zum Glück bin ich ein großer böser weißer Geist – ich hatte an einigen Stellen schon das Gefühl, dass mich 1. keiner verstehen würde, wenn ich um Hilfe schreien müsste und 2. die Straßen ab und zu recht unheimlich waren.

Heeeeeeeefffeeee! Ab in die Mall, ich hatte genug von diesen unfassbaren Kulturreliquien Chinas und musste dringend noch meine Erledigungen machen. Also ging es ab in die 6-stöckige Mall. Von China, bzw. Beijing, war ich ja eigentlich nur Positives gewohnt – gute „Fake“-Qualität zu vernünftigen Preisen… War zwar auch dort sehr stressig, aber es hatte sich jedenfalls gelohnt. Was mich in Shenzhen erwartete war aber heftig. Wenn die Hölle einen Markt für falsche Taschen, Sonnenbrillen und Uhren hat, dann sieht der bestimmt haargenau aus wie die Luohu Commercial City. Definitiv…
„Wanna buy watch, sunglasses, MP4-Player?“ – dieser Satz erwartete mich alle 4-5 Meter -an jedem Shop, in 50 verschiedenen Betonungen und Akzenten. Überall, von allen Seiten. Grauenvoll!! Und dabei bin ich einiges gewohnt – immerhin hab ich schon Tunesien, Israel, Saudi-Arabien und Chinatown (N.Y.C.) überstanden. Aber dieses Shopping-Gedöns hier in Shenzhen toppte alles: Kettenrauchende Verkäufer (gibts in Hong Kong nirgendswo), laute Musik, tausende Shops und unglaublich aufdringliche Verkäufer… Wirklich nicht meine Welt. Ich hab mich schnell mit der neuesten Hehlerware auf dem Kinomarkt eingedeckt und wollte dann noch schick was für die Mami einkaufen. Die anvisierten Artikel entsprachen aber nicht meinen Qualitätsvorstellungen, so dass ich dankend ablehnte. Das aber hatte ein kleiner netter Chinese hinter mir mitbekommen und fragte mich prompt, ob ich nicht Interesse an „A-Quality“ hätte… Ich natürlich: Klar – warum nicht! Wo denn?

 Und da war mal wieder der Knackpunkt…: „In my warehouse, just around the corner“. Ich weiß nicht mehr genau, welche Ecke der gute Mann meinte, aber nachdem ich 10 Minuten durch die Stadt gerannt war (aus der Mall raus, versteht sich…), kamen wir endlich an einem Hochhaus an. Das sah mir eher nach Schlachthaus aus (gekachelte Wände, etc.) und nachdem wir mit dem Aufzug in den 7. Stock und dann mit der Treppe runter in den 6. gegangen waren, kamen mir auf einmal wieder die Gedanken von unfreiwilligen Organspendern in den Kopf… Hilfe! Aber egal, was tut man nicht alles für ein frohes Fest, ne?!
Am Ende eines langen Ganges offenbarte sich mir dann das „warehouse“: Doppelte Tür, Guckloch und Vorhang mussten durchquert werden – the police is watching… Aha – die Chinesen bekommen also so langsam von Herrn Gucci und Frau Versace auf die Finger… Dieses „warehouse“ war eigentlich mehr ne 1-Zimmerwohnung, die randvoll mit Taschen, Uhren, Sonnenbrillen und anderem Gedöns war. Überall gefakte Markenartikel – rappelvoll die Butze. Ich hab dann auch glücklicherweise meine Sachen gefunden und konnte beginnen, zu handeln. 2.200 HK$ war der Start – immerhin 220 Euronen! Und das für Fake-Artikel… Unfassbar, ich hab erstmal herzlich gelacht. Aber nach einer heftigen Diskussion und 15 Minuten bin ich dann doch sehr froh und um wenig Geld erleichtert aus dem Warehouse (lebendig) rausgekommen. Ca. 1/6 des vorgeschlagenen Preises halte ich für einen Erfolg. Ich wurde übrigens als sehr anstrengend und konsequent beschimpft. seee Jermäns halt :)…

Meine Füße tun unglaublich weh und ich freu mich gerade, dass ich schön baden konnte und jetzt gestriegelt im Bett liege, um mir einen der 9 Filmchen anzugucken, die ich mir für’n Euro das Stück ergaunert habe… Ach, wie schön kann das Leben in Hong Kong doch sein – es geht irgendwie immer schlimmer, oder?

Advertisements

4 Antworten zu “Shenzhen

  1. Thank you a lot for sharing this with all folks you really understand what you are speaking about!
    Bookmarked. Please also talk over with my website =).
    We could have a hyperlink alternate arrangement between
    us

  2. I all the time used to study paragraph in news papers but now as I am a user of net therefore from now
    I am using net for articles or reviews, thanks to web.

  3. This site was… how do I say it? Relevant!! Finally
    I’ve found something which helped me. Many thanks!

  4. I like it when individuals get together and share ideas. Great site,
    continue the good work!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s