Akte HKU01.07: closed

Hong Kong University… „Beste“ Universität in ganz Asien. Nummer 33 in der Welt.

Traue nie einer Statistik, die Du nicht selbst manipuliert hast, hat man mir mal beigebracht… Aber die Jungs, die dieses Ranking aufgestellt haben, möchte ich echt gerne mal treffen. Meine Güte – das Thema HKU ist durch. Unten durch – den das Wort „Enttäuschung“ reicht mittlerweile nicht mehr aus. Mittlerweile treffen „Wut“ und „Fassungslosigkeit“ das ganze etwas besser.
Aber zum Glück treff ich tagtäglich Leute, die genau das beschreiben, worüber ich mich schon vor 2 Monaten aufgeregt habe: Miserabelste Organisation der Universität, unfassbar schlechte Unterlagen für die Kurse, total überforderte Professoren und granatenschlechte Lehr- & Lernbedingungen. Die Vorleser (nee… Professoren sind hier die wenigsten, Doktoren gibts genauso wenige!) haben sichtlich Schwierigkeiten, die fremden Buchstaben der schlecht vorbereiteten Vorlesungsunterlagen in ganzen Sätzen vorzulesen und kämpfen mit Aussprache und Vokabular – die Unterlagen sind mit Rechtschreibfehlern durchtränkt und Struktur und Ordnung sind irgendwo auf dem Weg verloren gegangen… Der „rote Faden“ scheint wohl in den Sweatshops im Mainland vernäht zu werden, denn den hab ich irgendwie noch nicht gefunden 😦 …
Heute hab ich mich mit nem Schweden unterhalten, nachdem wir uns „Asian Financial Institutions“ angehört hatten. Er war total wütend und bereit allen Ernstes eine formale Beschwerde vor! Er will sich sowohl bei seiner Heimuni, als auch bei der HKU beschweren, um auf die herrschenden Bedingungen aufmerksam zu machen… Das Midterm, was wir am Dienstag geschrieben hatten, war wohl der Auslöser: „This is a serious exam! – Please do not whisper…“ Der Lehrkörper war sowas von überfordert und konnte den Haufen irgendwie nicht unter seine Kontrolle bringen. Es wurde geredet, gegessen, gelesen und was nicht sonst noch alles so – und das mitten in einerm Exam. Vielleicht lag das an den kapitalen Rechtschreibfehlern in der Aufgabenstellung? „Interlink Liquidity“ anstelle von „InterBANK Liquidity“… Hmmm… mit viel Phantasie hätte man die Aufgabe lösen können. Aber das beste kam heute: Trotz Tippfehler und starker Proteste wird die Aufgabe komplett gewertet… Muuuahahahaha – ich glaub mich tritt nen Pandabär.

Woran mag das liegen? Mir fehlt der geschichtliche Hintergrund, aber ich glaub vieles davon ist mit der Kultur des Landes verbunden. Nicht die konfusen Zustände – das meine ich nicht. Sondern dieser Reproduktionszwang und die Unfähigkeit, sich mit Wissen „auseinanderzusetzen“. Das, was unser Bildungssystem auszeichnet – ist hier kein Thema. Stoff zu verarbeiten, zu transferieren oder überhaupt nur zu verstehen spielt hier wirklich kaum eine Rolle. Es geht vielmehr darum, das was man irgendwo gelesen hat, 1:1 wiederzugeben. Nicht selten bestehen Klausuraufgaben zu 100% aus besprochenem, vorher behandeltem Stoff. Zahl für Zahl, Buchstabe für Buchstabe…. Irgendwo klar, dass dann sehr wenig hängen bleibt – bzw. wenig „Wissen“ entsteht. Ich lehn mich besser nicht zu weit aus dem Fenster, denn wenn es ums sture Auswendiglernen geht, stecken die Chinesen mich zweifach in die Tasche – ganz zu schweigen von Mathematik. Aber das ist es doch nicht, was man an einer Universität lernen sollte, oder?

Dieser „Drill“ verfolgt meine asiatischen Mitstudenten aber schon ihr Leben lang. Selbst die winzgen ABC-Schützen mit 3 oder 4 Jahren werden hier mittlerweile wieder in uniforme Kleidung gesteckt und in so genannten „Learning Crèshes“ auf das spätere Bildungssystem gestutzt. Wenn ich mir das nur vorstelle… Wie, als wenn man seinem geistigen Ich erstmal die Flügel stutzt. No way.

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Eine Antwort zu “Akte HKU01.07: closed

  1. Hallo,

    Ich lebe nun schon fast drei Jahre mit meinem Mann und unserer 18,5 Jahre alten Katze in HK und ich muss sagen im ersten Jahr ist es mir auch sehr beschi….gegangen. Wäre am liebsten in den nächsten Flieger und ab nach hause. Inzwischen habe ich mich an das Leben (so gut es geht)und die vielen Leute gewöhnt (wenn man/frau das überhaupt kann) denn machmal nerven mich die Menschenmassen immer noch.

    Liebe Grüße aus Tung Chung (HK)
    Marion

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