You always have a choice.

Trällert mir meine Musik vor. Irgendwie seltsam – auf eine unerwartete Art und Weise scheint mir meine Umwelt in letzter Zeit ab und zu gute Ratschläge zu geben: Sein es Plakate, meine Musik oder einfach nur ein Buch…

You always have a choice – ich habe immer die Wahl, die Möglichkeit, meine eigenen Entscheidungen zu treffen. Immer. Überall. Die Wahl hatte ich definitiv… gehabt. Dachte ich bisher. Denn auch jetzt noch habe ich die Wahl, ich kann Entscheidungen treffen und festlegen, was gut für mich ist – und was nicht. Heute war wieder einmal ein bemerkenswerter Tag, um es vorsichtig auszudrücken. Das Midterm war – naja, ich hab schon dazu geschrieben… Danach gabs wieder meine Lieblingsvorlesung (die ohne Struktur, Folien, Buch und so weiter…) und anschließend (um 18.30 Uhr) eine 3-stündige (!) Vorlesung über chinesische Regulierung und Rechnungslegung, die eigentlich das verhauene Midterm-Exam „ersetzen“ sollte, sprich mich und meine Kursambitionen wieder ins Gleichgewicht bringen sollte. Kann man sich doch denken: Rechnungslegung & China – das passt doch gut, vor allem bei meinen deutschen Schwerpunkten! Lernt man was über China und gleichzeitig noch was für’s Leben. Und dazu war die Veranstaltung auch noch als Kollaboration mit Deloitte angepriesen! Mensch – Praxisbezug als Gratisbeigabe… Das hörte sich doch nach meiner Erlösung an!

DENKSTE! Ich setzt mich rein und bin der EINZIGE Austauschstudent, nicht mal ABCs oder ABKs saßen hier – also diejenigen, die sich als Chinesen tarnen und letztendlich Amerikaner sind… (American Born Chinese / Koreans…). Dementsprechend schaute mich die Dozentin auch etwas verwirrt an, um es milde auszudrücken. Ihre Verwunderung konnte ich auch nach einigen Minuten verstehen, als dann die Abstimmung kam, ob denn Putonghua (Hochchinesisch) für Fragen und Erklärungen genehmigt werden sollte. Puntonghwas? Ich hab vorsichtshalber mal mit „Nein“ abgestimmt…

Wurde aber irgendwie überstimmt… Naja – heißt ja erstmal nichts schlimmes! Wozu gibt es denn Bücher. ÄÄäähh, ja – Bücher. Für diesen Kurs gabs keine. Ähh, Quatsch – es gibt welche. Aber die sind in Chinesisch. Immerhin geht es hier ja um chinesische Tatsachen. Sauber… noch hatte ich nicht aufgegeben – immerhin hatte sich ja ein Gastredner von Deloitte Touche Tomatsu angekündigt (eine der „Big 4“-Accounting Firms) – und der hieß Jonathan mit Vornamen, das „Yuen“ als Nachnamen störte mich erstmal nicht. Der gute Mann war Partner bei Deloitte und kam nach kurzer Zeit auch in den Saal… Vorher wurde mir freundlicher Weise der Lebenslauf vorgelesen, denn der war nur in Chinesisch vorhanden. Aber der Vortrag wird bestimmt interessant, dachte ich mir…
Dachte ich. Dachte ich wirklich. Ehrlich! Hello, my name is Jonnnasssooon, i wöölk fol Deloitte – and I have never had a plessentäätion in English. FUCK!? WAS??? Der Knabe arbeitet 10 Jahre für Deloitte und spricht kaum Englisch? Och, nööö. Sauber – jetzt saß ich da mitten im Hörsaal und durfte mir 3 (!) Stunden einen Vortrag über SPEZIFIKA der chinesischen Rechnungslegung anhören. WAAAAASSS soll das? Der Kursbeschreibung war zu entnehmen, dass es sich hier um einen einleitenden Kurs handeln sollte, der Besonderheiten herausstellt und sie in politischen Kontext einordnet. Und nicht sowas! Was bringen mir Paragraphen mit chinesischen Fachbezeichnungen? Was bringen mir chinesische Handelsparagraphen (in chinesischen Schriftzeichen, versteht sich….)?

Nichts. Schade. Wirklich Schade. Chance vertan, midterm verhauen. Kurse unfreiwillig reduziert. Yippie – ich fange an, diese Universität zu lieben. Verkauft jemand günstig große Mengen an Sprengstoff? Bitte melden. Zahle bar.

Aaahhhh…. Aber zum Glück bin ich nicht mehr der einzige, der so denkt (ich vermeide bewusst das Wort „leidet“, denn diese Tragödie bringt mehr und mehr komödiale Eigenschaften ans Tageslicht). Ich versuch mal, die besten Zitate zu rezitieren:

(Schotte): „They don’t sleep! They’re fuc**** ANIMALS!“ (Zur Lern“einstellung“ unserer Kommilitonen aus China)

(Schotte): „And the worst thing: this is gonna continue all their life! Why do they call that ‚life‘ again?“

(Schwedin): „My midterm? I wouldn’t call it a catastrophe – I’ll stick with ‚disaster’…“

(Deutscher): „Ich hab noch keinen Exchange-Student getroffen, der jemals die Wörter „sehr gut“ und „Prüfung“ gleichzeitig in den Mund genommen hat…“

Irgendwie witzig – hab mich heute mit ein paar Leuten unterhalten, einfach mal, um einen Überblick zu gewinnen. Ich kann bei vielen auch verstehen, dass es „ganz OK“ läuft, denn der Großteil hier ist „Exchange Student“ und nicht „Visiting Student“, so wie ich. Der Unterschied ist nicht groß, aber bedeutend. Denn ich habe keinerlei Referenzen – was Kurse angeht, was Workload angeht, und und und… Und meine fellow students haben mehrere Kurse, die bereits von Exchange Students besucht wurden, Vorgaben und Ansprechpartner. Und das erleichtert einiges. Es gibt ja nicht ohne Grund Austauschprogramme – irgendeinen Sinn soll sowas ja schon machen. Schade, dass mir das erst jetzt auffällt. Ansonsten hätte ich wohl einen einfacheren Weg gewählt.

Oder doch nicht? Hmmm… schwere Entscheidung, denn alles, was jetzt hinter mir liegt und noch vor mir liegt, beruht auf einer bewussten Entscheidung. Vielleicht an der einen oder anderen Stelle etwas undurchdacht und wagemutig – aber bewusst. Keiner hat mich gezwungen und ich habe wahrscheinlich bewusst das „Abenteuer“ gewählt – ohne es wirklich zu „wissen“. Klingt verwirrend, ist es auch. Spartaner schickten ihre männlichen Teenager alleine und unbewaffnet in den Wald – ich schick mich selber alleine und unvorbereitet nach Hong Kong. Das ist schon ne Parallele, finde ich. Und raus kommt beides mal das gleiche: Ein neuer Mensch.

Es gibt Dinge, die zeichnen einen Menschen aus und es gibt Dinge, die einen Menschen definieren – und es gibt wiederum Dinge, die variabel sind – in beide Richtungen. Auch, wenn ich hier viele negative Erfahrungen mache – ich mache Erfahrungen und Erfahrung bedeutet Lernen und Lernen ist gut… Lernen kann man nie genug – und das, was meine Monate in Asien mich lehren ist auch gut. Alles eine Frage der Perspektive, denke ich.

Apropos lernen: Morgen gehts erstmal in einen Buchladen am Exchange Square (die HongKonger Bölse oder auch Börse…), denn lernen kann man nie genug und dort gibts Büüüücher über Themen, die mich interessieren. Na, wenn das nichts ist, womit ich verlorene akademische Fortschritte aufholen kann, dann weiß ich auch nicht mehr 😉 …

P.s.: Dieser Abschitt ist mit Ironie zu konsumieren. Eltern haften für ihre Kinder.

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