Beijing – Day 4

Der Vollständigkeit halber stelle ich auch noch den vierten Tag hier rein…
Nach unserem „Abenteuer“ auf der großen bösen Mauer waren wir ziemlich platt, so dass wir den Tag erstmal gemütlich eingeleitet haben: Leckeres Frühstück und dann ganz entspannt mit dem Taxi in die City, denn wir hatten am 2. Tag eine wundervolle Idee bekommen: Rikscha-Tour durch die historischen „Hutongs“ Beijings. Hutongs sind im Grunde unglaublich schmale Straßen (keine Chance mit Taxi…), in denen in alten chinesischen Gebäuden noch um die 20% der Bevölkerung Beijings wohnen.

Der arme Rikscha-Fahrer wusste wohl nicht ganz, worauf er sich eingelassen hatte, denn ich und Christina sind bei weitem nicht korpulent,aber ich denke wir stellen jeden Durchschnitts-Chinesen gewichtsmäßig sowas von in den Schatten, dass unser kleiner Fahrer ziemlich zu strampeln hatte und sein Fahrrad des öfteren knackende Geräusche von sich gab… Streckenweise hat er das Gespann sogar geschoben *ooops…*. Die Tour war aber sehr interessant, da der gute Mann sich in den Hutongs wirklich gut auskannte und uns so einige Interessante Sache erzählen konnte. Der wohl erstaunlichste Vergleich war der folgende: In den Häusern dieser Straßen wohnten in der Ming-Dynastie (war’s die Ming-Dynastie..!?) noch eine Familie, wohingegen dort heute bis zu 10 (!) Familien wohnen. Das war krass, denn die Gebäude waren nicht wirklich groß…

Mann war das anstrengend 🙂 :

Anschließend ging es in den „Temple of Heaven Park“ – wiederum eine der Top-Attraktionen Pekings. Sehr schön – viel Feng Shui, viele Tempel und mal wieder viel zu viele Touristen… Aber wir ham’s gesehen – soviel dazu…

Da dieses Manöver mal wieder einiges an Zeit und Energie verschlungen hatte, brauchten wir 2 dringend was zu Essen. Und da uns Chinesische Nahrung (ich verzichte bewusst auf den Ausdruck „Essen“) mittlerweile aus den Ohren wieder rauskam, hatten wir eine blendende Idee: Lonely Planet raus und nach nem Italiener gesucht. Schwupps auch einen gefunden und ab ins Taxi. Doch auf dem Weg hat es Gott mit uns gut gemeint – er führte den unwissenden Taxifahrer an einer religiösen Hochburg der amerikanischen Esskultur vorbei: HOOTERS! Jawoll, alle die es kennen, werden mich gerade verfluchen, alle die es nicht kennen spätestens dann, wenn sie herausgefunden haben, was wir dort betreten hatten… Curly Fries, Cheeseburger, ESPN, Bedienungen in kurzen orangefarbenen Shorts und free Coca-Cola-Refills! Kurz gesagt: Pekings kulinarisches Refugium für alle, die einfach keine Lust mehr auf Reis & Nudeln haben. Ich würd das so gerne fotografisch dokumentieren, aber ich hab mal wieder keinen Platz bei flickr.com… Ich reich das nach ;)!

Gestärkt konnten wir den Abend dann auch noch entsprechend ausklingen lassen. Es ging ins MIX, direkt gegenüber vom VICS (wie innovativ…, wenn die wüssten) und haben das Pekinger Club-Life ausprobiert. Nicht ganz so verrückt, wie ich es erhofft hatte, aber nicht schlecht. Wann hat man das schonmal, dass einem die Haare wackeln – und dass meterweit von einer Box entfernt??? Sowas wäre in Deutschland rein TÜV-technisch nicht möglich… Aber vielleicht ist das hier notwendig, die Chinesen sind zwecks Straßenlärm und Co. wahrscheinlich sowieso alle taub.

Resumee: Peking ist China. China ist seltsam. Hong Kong ist nicht China.

Chinesen sind nochmal verschiedener als HK-Chinesen. Die kulturellen Unterschiede werden noch deutlicher – vor allem auf menschlicher Seite. Chinesen mit Ostdeutschen und HK-Chinesen mit Wessies zu vergleichen, wäre zwar fies, aber untertrieben… Denn die Unterschiede sind gravierender und offensichtlicher. Ich hatte die HK-Chinesen als verschlossen und nicht weltoffen beschrieben – doch das war bevor ich „echte“ Chinesen getroffen hatte. Der Sozialismus steckt überall und bestimmt alles und jeden. Die Denk- und Lebensweise der Chinesen ist unglaublich eingeschränkt und ich hatte das Gefühl, in einer anderen Welt zu sein. Menschen sind hier nicht Menschen, sondern Ressourcen. Das Leben scheint kein Leben zu sein, sondern nur ein Zeitraum, in dem man möglichst viel arbeiten kann… Rücksicht, Respekt und Mitgefühl sind Fremdwörter – Individualität, freier Wille und Innovation können höchstwahrscheinlich auch mit 24.000 Schriftzeichen nicht übersetzt werden.

China entwickelt sich rasant, aber jedes Prozent Wachstum scheint mit vielen Opfern verbunden zu sein – seien es Menschen, Natur oder Lebensqualität. Es wirkt sehr gezwungen und wie ein verbitteter Wettkampf mit der Welt. Auch, wenn ich das bisher nur oberflächlich erfahren habe – irgendwie macht mir das ganze Angst und ich hab das Gefühl, dass alles irgendwann in einem großen Knall zu Ende gehen wird…

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