Beijing – Day 3: The Great Wall

„He who has not climbed the Great Wall is not a true man“ (Mao Zedong).

 In den Verein wollte ich dringend rein. Dementsprechend wurden am 3. Tag in Beijing die Pferde gesattelt und das Hotel morgens um 11 Uhr verlassen, um den Great Wall, DIE Mauer schlechthin, zu besuchen. Im Lonely Planet stand, dass man sich einen Taxifahrer samt Taxi für schlappe 400 Yuan (Renmimbi) mieten konnte – und da wir zu dritt waren, hörte sich nichtmal 13EUR pro Nase sehr vielversprechend an, vor allem weil wir einen der weniger touristischen Abschnitte der Mauer weit außerhalb der Stadt ansteuern wollten. Direkt vor dem Hotel wurde auch der 1. Taxifahrer rekrutiert und wir haben kollektiv, mitsamt Zeichnung und Händen und Füßen versucht zu erklären, wo wir hinwollten und was wir dafür bezahlen würden. Mit 400 Yuan sind wir vorerst nicht weit gekommen – aber bei 500 konnten wir uns vorläufig einigen und fuhren direkt darauf in Richtung „Jingshangling“ weiter…. Dort hatten wir uns vorgenommen, einen 10km-Marsch auf dem Wall hinzulegen, um dann in „Simatei“ von unserem Taxifahrer wieder abgeholt zu werden. Hörte sich blendend an, denn auch der Sonnenuntergang stand auf unserer Liste: Sonnenuntergang auf dem Great Wall – das war doch was. Jaaa, äääh…. Ich erzähl die Story lieber von vorne 😉 …

Also – nachdem unser Taxifahrer gefühlte 100 Telefonate in gebrülltem Putonghua geführt hatte und mindestens 5 Mal Leute auf der Straße nach dem Weg gefragt hatte (von wegen Taxifahrer sind gut in Sachen Navigation…), kamen wir unserem Ziel immer näher.

  

(Mein Guide mit zwei Chinesen… Gut nur, dass die da kein Wort lesen konnten – weiß grad auch nicht, was die da planen…).

 

(Fotowettbewerb auf dem Weg: Wer trifft Fahrradfahrer aus dem fahrenden Auto – wer hat wohl gewonnen…?)

Da die Tour immer länger und länger wurde, machten wir uns so allmählich sorgen, ob wir überhaupt ankommen würden, bzw. ob der Taxifahrer seinem Versprechen treu bleiben würde und uns für 500 Yuan transportieren würde. Nach geschlagenen 3 Stunden Fahrt im Taxi und einer verblüffend hohen Taxameter-Anzeige (warum brauch man sowas bei Fixpreisen…?), kamen wir endlich in Jingshangling an. Hmmm… Das soll eine der größten Attraktionen Chinas sein? Hier? WO zum Teufel sind all die Touristen? Anscheinend war der Kommentar „not as touristy as the Badaling-Section“ im Lonely Planet wohl wirklich ernst gemeint… Hier war NIEMAND, nichtmal der Ticket-Guide war zur Stelle – selbst den mussten wir suchen:

 Der Taxifahrer knöpfte uns schonmal 300 Yuan ab – oder besser gesagt MIR. Denn die beiden Damen, die mich begleitet haben, hatten eine überlebenswichtige Sache vergessen: GELD – und das kollektiv. So standen wir nach Abrechnung des Taxifahrers und Eintrittspreisen mit 64 Yuan da, umgerechnet 6 Euro. Super und das zu Dritt, ohne Essen und ohne Getränke! Und es war ziemlich kalt…. Im Vergleich zu Hong Kong ein riesen Unterschied: Hier herrschten knapp 13°C und wir waren eher „leicht“ bekleidet. Super Voraussetzungen für nen 10km-Lauf auf dem Great Wall, 14 Uhr Ortszeit und ca. 3 Stunden Laufweg vor uns.

Das verbleibende Geld wurde direkt in eine 1,5-Liter Flasche investiert, die wir nach langen Verhandlungen für 15 Yuan bekamen (WUCHER!)… Irgendwie hörte sich das alles nach nem billigen Teenie-Horrorfilm an. 3 Studenten alleine auf dem Great Wall, ohne Geld, ohne Essen und eigentlich viel zu spät, um vor Einbruch der Dunkelheit anzukommen… Aber wir wollten was anti-touristisches machen, ohne Menschen und mit dem „gewissen etwas“. Das bekamen wir auch, denn mir war schon am Anfang etwas mulmig bei dem Gedanken an den Marsch und das Risiko.

Aber diese Landschaft entschädigte schon am Anfang für alles. Der Oktober ist wirklich ein TOP-Monat, um die Mauer zu besuchen… Das Farbspiel war einfach unschlagbar. Nachdem wir dann doch noch ein paar Touristen getroffen hatten, machten wir uns auf – auf nach Simatei: ca. 10km Marsch auf der großen Mauer… Kann doch nicht so lange dauern, oder? Bis zum Sonnenuntergang waren’s ja noch 4 Stunden….

Der Anfang war noch sehr gut erhalten – es schien, als wenn die das Teil erst vor nen paar Jährchen gebaut hatten… Doch je weiter wir Richtung Westen wanderten, desto mehr offenbarten sich das Alter des Bauwerks und vor allem eins: Die Beschaffenheit der Natur und Landschaft, denn ab und zu war der Wall unglaublich steil…

Wie man sieht, kam die Sonne doch noch raus… Es wurde heller, wärmer und noch schöner. Ich fand das spitze:

Die Landschaft wurde von Schritt zu Schritt schöner und es offenbarten uns Katalog-ähnliche Bilder, die einfach unfassbar waren… Die Luft war unglaublich klar, kühl und mit Sonne durchtränkt. Ein krasser Kontrast zu Beijing City, wo ein Tag Smog-Luft atmen ungefähr dem Konsum einer Schachtel Zigaretten entspricht… Das, was wir hier zu sehen bekamen war wirklich so unfassbar eindrucksvoll, dass wir teilweise schweigend in der Gegend standen und unser Glück einfach nicht fassen konnten: Fern von Touristen, vollkommen alleine auf einem der 7 Weltwunder und das bei so einem Wetter: Krass!

Unfassbar: Antike Liebeserklärung! (Ich entschuldige mich provisorisch bei allen archäologisch interessierten Lesern 😉 …):

Wir waren aber noch lange nicht am Ziel und der Nachmittag war bereits angebrochen… Plötzlich kam dieses mulmige Gefühl wieder zurück – alleine auf dem Great Wall: No food, no light und ziemlich fucking cold. Hmm… lieber die Beine in die Hand nehmen und auf nach Simatei: Es war noch ein „längerer“ Weg…

Es dämmerte – und nicht nur uns…. Denn eins war klar: Wenn wir ohne Licht und ohne Ziel in Sicht auf dem Great Wall zurückbleiben würden, hätten wir ein echtes Problem. Dementsprechend wandelte sich mulmiges Gefühl in Angst. Und zügiges Gehen in streckenweises Rennen… Denn Simatei war nicht in Sicht und einen Menschen hatten wir seit 90 Minuten nicht mehr gesehen. Nach einiger Zeit vernahmen wir ein lautes Singen – endlich! Ein Mensch! Dieser Mensch war ein Wächter, der mit einer extremen Saki-Fahne den Wall längsschlenderte und uns nach Tickets fragte… Tickets? Unser Ziel kann nicht mehr weit sein – doch leider wollte er nicht unsere Tickets, sondern welche aus Simatei – dort wollten wir aber hin! Ohne Ticket wollte er uns nicht durchlassen. Super! Ohne Mandarin kamen wir mit Händen und Füßen auch nicht viel weiter, doch irgendwie konnten wir ihn überzeugen, dass wir welche kaufen würden (mit welchem Geld wohl…?). Egal – weiter gings – der Junge konnte uns zwar auch nicht sagen, wie weit es noch war, aber solange konnte es ja nicht mehr sein…

Das Licht wurde immer weniger und unsere Sorgen immer größer. Doch endlich erspähten wir am Ende des Horizonts eine graue Hütte – das könnte der Eingang von Simatei sein, unsere Rettung. Und es war so – als wir dort ankamen begrüßten uns 2 Chinesen, die mir erstmal ne Flasche Wasser und ne Packung Chips verkauft haben, mein Blutzucker war weit unter Normal Null… Es blieben uns noch genau 21 Yuan und ein kleiner Fußmarsch nach Simatei… Glücklicherweise begleitete uns einer der Wächter bis zum Checkpoint… Ebenfalls mit ordentlicher Fahne – es scheint, als wenn die Jungs nicht den interessantesten Job der Welt hätten.

Aber, es kam schlimmer als wir dachten. Der Checkpoint war stockfinster und von unserem Taxifahrer war trotz phantastischer Skizze meinerseits und einem Versprechen des Taxifahrers nicht da. Scheisse – wir inmitten von 4 Wächtern und keinem Platz zum Schlafen am Arsch der chinesischen Heide… Und als Sahnehäubchen mussten wir uns noch mit einem der Typen anlegen, denn der gute Mann wollte uns nicht rauslassen, ohne das wir ein Ticket kaufen! Fuck?! Mit WELCHEM GELD? Dass Christina die ganze Zeit mit ihrer Kreditkarte wedelte, tat nicht wirklich unserem Plädoyer bei… Wir haben nach langer Diskussion den Typen einfach stehengelassen und sind Richtung Ausgang gelaufen… Dort war auch kein Taxi weit und breit und alle Touristen hatten den Ort längst verlassen. Mist! Glücklicherweise hatten wir eine Telefonnummer vom Taxifahrer… Also, ab in ein Dorfrestaurant (mehr ne Bruchbude mit Telefon und seltsamem Essen…) und wieder mit Händen und Füßen erklärt, wie man uns helfen konnte). Aus 2 Leuten in dem Restaurant wurden schnell 5 und dann 11, denn die Wächter hatten herausgefunden, wo wir waren und wollten uns mal wieder nicht gehen lassen…. Mist – das war ein Paradebeispiel von Sprachbarrieren und Zwickmühlensitutation. Doch überraschender Weise war unser Taxifahrer nicht weit und war wirklich da, um uns abzuholen… RETTUNG!!!

Der gute Mann bezahlte auch direkt unsere Schuld und befreite uns aus unserer misslichen Lage… Und es ging zurück nach Beijing – hofften wir jedenfalls. Das Taxameter stand bereits auf verdächtign 585 Yuan und wir waren noch nichtmal losgefahren… Auf dem Rückweg steuerten wir erstmal nen lokale Bank an, um unsere Liquidität aufzupolieren. Großer Fehler, denn der Taxifahrer hatte Lunte gerochen… Dementsprechend ging es NICHT direkt nach Beijing City zurück, sondern in einen kleinen Vorort, mitten in der Pampa, mitten in verwinkelten Straßen hielten wir auf einmal in einem Hinterhof voller Taxis. Scheisse – wir waren in der Höhle des Löwen und der Taxifahrer wollte uns abziehen. Er verlangte auf einmal mehr als 1000 Yuan und wollte uns erst weiterbefördern, wenn wir bezahlen.

Doch nicht mit uns… Wir zeigten ihm die Karte unseres Hotels und verdeutlichtem ihm, dass es erst Geld geben würde, wenn wir sicher dort angekommen waren. Nachdem er alles gegeben hatte und uns mehrfach aufs übelste verfluchte (glücklicherweise auf Putonghua…), gings dann wirklich noch los… Auf dem Rückweg arbeiteten wir 3 Strategien aus, wie wir am besten flüchten würden, wenn der Taxifahrer aggressiv werden würde. OK – Du öffnest die Tür und rennst auf die andere Seite und stellst Dich für die Fahrertür, ich (saß hinter dem Fahrer) halte ihn mit dem Gurt fest und ermögliche Christina auf der Beifahrerseite die Flucht… So ungefähr sah da aus – und man kann sich vorstelle, wie wohl wir 3 uns gefühlt haben… Doch wir kamen wirklich am Hotel an und ein Portier rettete uns, indem er uns die Tür öffnete -so war für Verwirrung gesorgt und der Taxifahrer konnte uns nicht mehr kidnappen 😉 … Wir machten ihm nochmal deutlich, dass 500 Yuan vereinbart waren und gaben ihm 700 Yuan – samt Trinkgeld und Geld für die Tickets. Doch der Mann verlangte auf einmal 1200 Yuan und verarschte uns bei seiner Abrechnung aufs dreisteste (doppelter Ticketpreis, etc.). Wir drückten ihm das Geld in die Hand und machten uns auf in Richtung Hoteltür – der sicheren Grenze. Dachten wir – denn der Typ kam fluchend und spotzend hinterher…. Hilfe!!! Auf zur Rezeption – hier waren wir sicher. Schnell noch unser Problem dem Manager erläutert und das ganze übergeben, denn wir wollten einfach nur noch weg – ab in den Fahrstuhl, ab aufs Zimmer… Schluss mit Taxifahrermanie und Flucht.

Im Endeffekt war dieser Tag trotzdem einfach unglaublich. Das, was wir auf diesem gigantischen Steinhaufen erfahren durften, sehen durften und erleben durften, stellt bisher ALLES in den Schatten, was ich bisher erlebt habe. Dieser Ausblicke, dieses Farbspiel, dieses imposante Bauwerk… Nichts, was mir vorher auf einer Reise begegnet ist, kann mit diesem Trip mithalten. Klar war da viel Risiko involviert und sicherlich hätten wir uns besser vorbereiten können, aber vielleicht wurde es durch diesen Nervenkitzel noch ein Stück besser. Die „Don’t-trust-anyone“-Einstellung bewahrheitet sich hier leider jeden Tag… Touristen werden an allen Ecken und Enden ausgenommen und verarscht, doch wir konnten uns durchgängig dagegen wehren und kamen ungeschoren davon. Auch, wenn es knapp war – meine Fresse war das ein Tag! Ich würde nicht wegen des Tiananmen-Squares, nicht wegen der verbotenen Stadt oder sonst einer Attraktion nach Peking zurückkehren, aber für den Great Wall würde ich es direkt tun…

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