New Territories

Nachdem die letzten Tage eher dadurch geprägt waren, dass die Uni unverhältnismäßig viel Stress gemacht hat (Räume finden, Vorlesungen hören, Uni-Alltag, etc.) hab ich mich heute doch dafür entschieden, die schon gebuchte Tour in die New Territories anzutreten. Die erste HKU-Tour war ja mehr als enttäuschend, aber ich dachte mir, dass es ja nicht viel schlimmer kommen könnte… Und so war es auch – im Vergleich zur HK-Island Tour war dieser Ausflug in das „Hinterland“ wirklich interessant. Die New Territories sind ein Gebiet, dass sich auf dem Festland befindet und den größten Teil von Hong Kong ausmacht. Ursprünglich hatten die Engländer das Gebiet angemietet, um die sich ausdehnende Population der Kolonie Hong Kong unterzubringen und vor allem, um Landwirtschaft betreiben zu können. Selbstverständich hat sich das geändert – die Leute sind geblieben, nur die Landwirtschaft natürlich nicht ;)! Hochhäuser, so weit das Auge reicht. Aber was würde man in Hong Kong auch anderes erwarten??

Unser erster Stopp war vor dem Birdmarket in Tsim Sha Tsui… Also alt bekanntes Terrain für mich – immerhin hab ich in meiner ersten Woche ja einige an Touri-Programm abgespult. Aber es war dennoch interessant, denn unser Guide hat uns so einiges erzählt. Da die Durchschnittsfamilie in Hong Kong (3-5 Personen), ich nenn sie jetzt mal „Familie Wong“, auf ca. 40-60 m² lebt, fallen Haustiere generell flach. Es sei denn, sie sind klein und putzig – wie zum Beispiel ein Vogel. Und dementsprechend sind die kleinen Piepmätze ein sehr beliebtes Haustier. Das allerwitzigste ist die Tradition, dass die Herren am Wochenende mit ihren Käfigen durch die Gegend spazieren, um ihre Hansis & Co. auszuführen – es gibt sogar Halterungen in den meisten Tee-Läden… Echt mal komisch!

Das zweite Ziel war hingegend vielversprechend: Der „Wetland Park“ – ein küntlich angelegtes Naturreservat, das den Hong Kong-Chinesen zum einen als Erholungsgebiet dient und zum anderen als Lehrstätte, denn wo sonst sollen die Kleinen noch „Natur“ sehen, wenn nicht hier?? Und das ganze war wirklich lohnenswert, denn zum ersten Mal habe ich einen Ort betreten, an dem annähernd Ruhe herrschte: Kaum Autogeräusche, kaum Menschen, kaum Klimaanlagenrauschen – phantastisch! Ich hab das ganze Mal dokumentiert: Selbstauslöser sei Dank!

 Die zwei Jungs ziehen übrigens NICHT in den Krieg – Nein, so gehen sonnenscheue Chinesen Samstags in den Park…

Das folgende Foto brauch irgendwie einen eigenen Titel: Urwald im Urwald? Verlorenes Paar im Dschungel?

Danach ging die Reise weiter zurück Richtung Kowloon, nächster Stop war ein Thaoistischer Tempel. Die thaoistische Religion ist wirklich lustig und irgendwie interessant. HK-People sind von Natur aus die abergläubigsten in ganz China und mischen im Grunde viele Religionen zusammen und picken sich aus allem das beste heraus. Thaoismus ist eine Religion, in der alles und jeder „Gott“ werden kann – der Tempel, den wir besucht haben ist einem Arzt aus dem 17. oder 18. Jahrhundert gewidmt, der arme Menschen damals umsonst mit Naturheilkunde behandelt hat. Aus Dank wurde er posthum zum Gott… Nicht schlecht. Der Mann hieß übrigens „Dr. Wong“. Das Schauspiel, dass sich uns dort bot, war wirklich ungewohnt. Die Prozedur wurde uns wie folgt erklärt: Um eine Bitte abzuliefern, muss man den Gott direkt ansprechen. Dieser wird zuerst „aufgeweckt“, indem man Räucherstäbchen anzündet und diese mit bestimmten Gaben am Altar niederlegt, bzw. abstellt. Anschließend stellt man eine Frage und rüttelt dabei auf den Knien ein mit Bambusstäbchen gefülltes Gefäß bis einer dieser Stäbe rausfällt. Dieses Stäbchen ist mit einer Nummer versehen und jede Nummer erzählt eine andere Geschichte, die man dann selbst mit seiner Frage in Verbindung bringen sollte. Bei der „Übersetzung“ helfen 200 (!) ansässige Wahrsager, die das ganze gegen Bargeld erledigen… Clevere Geschäftsidee – ich hab mir das ganze mal von außen angeguckt und hab mich als einer der einzigen „buddhistisch“ verhalten, wie mir unsere Führerin nachher erzählt hat. Denn Buddhisten würden 1. Gott nicht um Hilfe bitten, 2. daraus keinen Reibach machen und 3. sowieso von sich aus nur positive Dinge tun.

 

Ich trau mich nicht, zum Frisööör zu gehen, ist aber DRINGEND notwendig :(…

Eine original chinesische Toilette… Wie die das hinkriegen, frag ich mich immer wieder. Ich würd knietief in der **** – ach, lassen wir das ;)!

Supi, dann kann ja nichts mehr schieflaufen! Dem Motto folgend setzten wir unsere Tour zu einem buddhistischen Nonnenkloster fort, das wirklich unglaublich schön war. Mittem im Hochhauswald ragte dieses Kloster empor – feinst säuberlich gereinigt, Bonsai-Bäumchen soweit das Auge reicht und viele, viele glückliche dicke Buddhas – nur durfte man drinnen leider nicht fotografieren :(.

 Landschaftlich wars aber wieder interessant:

Unsere 8-stündige Tour sollte ihr Ende im Hong Kong History Museum finden. Nur hatten wir dort nur noch geschlagene 50 Minuten Zeit, so dass das ganze eher einem Sprint durch die Geschichte der Kolonialstadt glich. Egal – mir taten sowieso die Füße weh und irgendwie fühle ich mich momentan ziemlich im Eimer. Entweder liegt das an dem dauernden 18°C-30°C-Wechsel aus Bus-Straße-Indoor-Straße-Bus-Park und so weiter, an der unerträglichen Geräuschkulisse, dem seltsamen Wetter oder den vielen Eindrücken… Ich glaube, es ist ein Mix aus allem und freue mich deshalb, dass ich diesen Text von meinem Bett aus schreiben kann und mich gleich schööön ausruhe. Heute Abend gehts nämlich noch auf ein Bierchen nach Lan Kwai!

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2 Antworten zu “New Territories

  1. Wer ist der der hübsche Mann im hellblauen Polo??? Ahhhh… so langsam erkenn ich ihn wieder. Das ist ja mein Freund, nur mit Bart und langen Haaren…

    Tipp von deiner Freundin: Du musst nicht nur zum Friseur, du musst dich auch dringend mal rasieren ;-)))

    Küsse!!!

  2. Mein Jaspi, vor dem 1.Tee heute morgen habe ich wieder bei Dir reingeschaut.
    Die Photos sind wirklich krass. Diese Gegensätze-unglaublich. Irgendwelche kleinen Fluchten müssen sich die Chinesen ja schaffen. Haben wir es gut hier….
    Trau Dich zum Friseur, bis Caro kommt, ist es wieder zurecht gewachsen! Kuß G.

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