The Hardest Way to Make an Easy Living…

Mein Wake-Up-Song des Tages gab für mich die passenste Beschreibung für meine derzeitige Situation hier in Hong Kong ab. Denn irgendwie beschreibt dieser Satz genau das, was dieses Auslandssemester momentan für mich darstellt. The Hardest Way to Make an Easy Living, also Mittel zum Zweck, Stein im Weg, zu übersprinende Hürde, Reifeprüfung Part II. Ich hätte im Grunde ja auch schön zuhause bleiben können, nen Semester in Amerika, Australien, Spanien, oder sonst wo verbringen können, hätte ne easy Zeit verbracht, leckere Noten mitgebracht und im Grunde 5 Monate Urlaub gehabt. Doch irgendwas hat mich vor knapp einem Jahr wohl dazu bewegt, den steinigsten Weg zu wählen, der mir damals in den Sinn kam – klar: Auslandssemester in Indien oder Namibia würden das hier definitiv toppen, doch irgendwo ist Schluss ;). Hong Kong – ne seltsame Wahl für jemanden, der mit der asiatischen Kultur noch NIE in Kontakt gekommen ist und vorher jedes ChinaTown, jedes Eck-Restaurant und jede Pekingente gemieden hat. Doch vielleicht ist genau diese Perspektive, diese Zeit hier in Hong Kong aus diesen Gründen umso wichtiger und im Endeffekt ist das ganze ne „wertvolle Erfahrung“ und ne „super Zeit“. Aber das sind Sachen, die man sagt, wenn man wieder Land in Sicht hat und sicheren Deutschen Flughafenboden unter den Füßen. Ich glaub kaum einer bestreitet ein Abenteuer und ist mittendrin schon unglaublich überzeugt von der Sache und freut sich tagtäglich nen Keks. Ich denke, dass sowas den Unterschied macht – dass sowas prägt und eine Zeit unvergesslich macht. Und vielleicht war genau das der Gedanke, der mir damals durch den Kopf ging, als ich mich für Hong Kong beworben hab – ohne auch nur einen Blick in einen Fremdenführer geworfen zu haben… Momentan kommt mir das Ganze so vor, als wenn ich meinem Horizont auf medizinische Art und Weise ein Kontrastmittel spritze und zum ersten Mal erkenne, was mich und meine Welt wirklich ausmacht und definiert, wo meine Grenzen sind und was ich wirklich schätze und was nicht.

China ist mit Abstand die Kultur,  die nicht hätte verschiedener von unserer Situation, bzw. unserem europäischen/westlichen Umfeld sein können. Selbst eine Stadt wie Hong Kong, die als ehemalige britische Kolonie und Weltstadt wohl den größten „westlichen“ Einfluss in der Region hat, bzw. erfahren hat, ist im Grunde nichts anderes als China mit nem Spritzer Disneyland, nem Haufen McDonalds-Restaurants und englischen Straßenschildern. Ich glaub, dass man noch so viel westliche Einflüsse auf HongKong runterprasseln lassen kann – es bleibt China – und zwar durch und durch. No way out – just like dat. Doch dieser Eindruck stellt sich nur ein, wenn man wirklich Teil dieser Stadt wird – ob man will oder nicht. Für nen Standard-Touristen ist Hong Kong bestimmt unheimlich beeindruckend und durch und durch positiv und schön. Denn, wenn man sich die touristischen Attraktionen und diese Welt von einem Standpunkt aus anschaut, der die Sicherheit eines schönen Hotels und eines gebuchten Rückflugtickets besitzt, wirkt HK ganz anders. Man ist mehr oder weniger nur Beobachter der Situation und nicht ein Teil des ganzen. Ich z.B. fühle mich nicht mehr als Tourist – ich wohne hier und bin ein winzig kleiner Teil dieses Betondschungels.

Irgendwie ist diese Feststellung ja auch beruhigend, denn dem einen oder anderem wird ja Angst und Bange, wenn es um die Globalisierung und Verwestlichung dieser Welt geht, doch eins steht für mich fest: Egal, wieviel westliche, östliche oder wasauchimmerfür Einflüsse ihren Weg in eine Kultur finden – sie wird niemals verschwinden, denn nicht die Fassade an sich, sondern die Menschen darin beschreiben eine Umgebung.

Schon komisch, wenn ich mir momentan vorstelle, was ich alles aufgegeben habe, bzw. hinter mir gelassen habe, um diese Erfahrung zu machen, fass ich mir manchmal selber an den Kopf: Ne schöne Wohnung im beschaulichen Münster, nen geregelten Alltag, angenehmes Wetter, Freunde und Famlilie und vor allem eins: eine wundervolle Beziehung mit einer phantastischen Frau… Doch all das bleibt bestehen und erwartet mich wieder, wenn ich Fuß auf Deutschen Boden setze. Und im Endeffekt bin ich dann letztendlich doch um eine Riesenerfahrung reicher: 5 Monate Teil der verrücktesten Stadt dieser Welt gewesen zu sein.

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