Lost in Confusion

Heute endete der Tag, wie der gestrige geendet ist – ich ärgere mich schweinemäßig über ein olivgrünes Stück Piqué, das  ich flüchtig über meinen Stuhl geworfen hatte. Denn dieses Poloshirt hat gestern schlicht und ergreifend den Geist aufgegeben, als ich es des Nachts ausziehen wollte. Flupp hühnereigroßes Loch auf der Rückseite – geht sowas klar? NEIN, vor allem nicht bei den Preisen… Egal, Schmerz beiseite, dat Leben geht weiter… Gut, dass ich auf Rat meiner lieben Mutter nur 4 Stück mitgenommen hab L – halb so wild… Nen Pulli ist bei 30° C und 90% Luftfeuchtigkeit bestimmt von hohem Tragekomfort, oder etwa nicht? Ich werds ausprobieren – und wenn ich mit Krieslaufkollaps im Krankenhaus lande, gibt es nur einen Schuldigen: Ralph L.!

Halb so wild – heute stand ne City-Tour auf dem Programm. Nicht für mich, sondern von mir. Jaaa, ich „alter Hase“ hab mich mit Maggis Wiener Freundin Raffaela getroffen (ohne Kokosraspel und nicht weiß, sondern brünett) und hab mit Ihr Central abgelaufen und nen paar neue Sachen abgeklappert. Aufm Peak waren wir auch, heute mal bei besserem Wetter. Smog war zwar da, aber weniger als beim letzten Mal – vielleicht lag das ja daran, dass heute „No Straw-Day“ bei Mäckes war… Keine Strohhalme? Klar, was tut der Chinese nicht alles für Klimaschutz!

 

 

Apropos Klimaschutz: Falls die Polkappen wirklich irgendwann schmelzen sollten, ich hab ne unglaublich gute Idee, wo all die Pinguine, Eisbären und Eskimos unterkommen können: In Restaurants, Shopping-Malls und U-Bahnwaggons von Hong Kong. Kein Witz – da herrschen zwar keine Minusgerade, aber das Fleisch, dass ich gestern beim Korean Barbeque serviert bekommen hab, war kurz vorm Frostbrand – jeder TÜV-Lebensmittelkontrolleur wäre stolz gewesen, von wegen Kühlkette unterbrechen und so, aber ich hab mich gefreut, dass wir nen Grill in der Mitte des Tisches gehabt haben, so war es jedenfalls beim Essen recht angenehm. Nächstes Mal nehm ich mir ne Winterjacke und Handschuhe mit… Kommt auf der Straße zwar nicht so gut, aber bei Klimaanlage auf 15-17°C (KEIN Scherz, hab nachgeguckt am Thermostat) mehr als angebracht!

Egal, wo war ich stehengeblieben: Ah, ja – der Peak! Da war meine Tour natürlich noch laaaange nicht zu Ende. Neeee – nicht, dass meine Füße schon gestern vor Schmerz geschrien haben, aber man muss ner Dame doch was bieten – auch ner Ausländerin ;). Ab gings also zum höchsten Gebäude Hong Kongs – Two Exchange Square, direkt über der HK-Börse. Leider gings nicht bis in den 88. Stock, aber im 55. Stock ist die HK Monetary Authority, die auch für Besucher geöffnet ist und Fenster hat. Durch diese konnte man nochmal ne andere Perspektive der Stadt bekommen.

 

Danach sollte der Tag eigentlich entspannt enden… Eigentlich versteht sich. Ich Idiot wollte mich aber nicht geschlagen gehen, Ralph L. sollte nicht so einfach davonkommen. Er sollte bezahlen! Also – ich mach mich auf nach North Point, 6 (!) MTR-Stations von Central entfernt in ein Polo-Outlet , um zerstörtes Shirt zu ersetzen und gegen neues auszutauschen. Nach 20 Minuten U-Bahn und 20 Minuten Footwalk kam ich an im Internet recherchierter Adresse an. Doch das Outlet war ein abgefucktes Kaufhaus mit Phillipino-Arbeitsagentur (Brauch noch jemand nen Babysitter?) und seltsamem Schnick-Schnack. Weit und breit keine sauber aufgereihten Polos, keine weißen Schränke und kein Kokosfaserfußboden. Also hat mich Herr Lauren schon wieder verarscht! Ralph 2, Jay 0. So kann das nicht weitergehen…

Shit – naja der 20 Minuten-Fußmarsch war nicht ganz umsonst. Rückenschmerzen und kein Bock gabs dann doch umsonst dazu. Den Regen war dann sozusagen der Ramazzotti aufs Haus – Prost. Dass ich mich danach (zum ersten Mal!) verlaufen hab und zusätzlich noch einkaufen musste, gab mir dann den Rest. Und in genau dem Moment zeigt sich Asia’s World City dann von ihrer gemeinsten Seite. Dunkel, hastig, ungemütlich und unmenschlich – ein Schmelztigel von getrocknetem Fisch, verschwitzten Menschen, Abgasen, verfaulten Dingen und Chicken Feet gepaart mit sich mechanisch fortbewegenden Menschen, die nicht laufen, nicht reden, nicht leben, sondern nur funktionieren. Ohne menschliche Regung, ohne Reaktion – wie tausende Zahnräder in einer riesigen Maschine – und ich hab mich gefühlt wie die lockere Schraube, die von Ebene zu Ebene fällt und nicht genau weiß, wo sie hingehört und vor allem nicht, wie sie dahin kommt…

Hmmm… lecker!

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2 Antworten zu “Lost in Confusion

  1. Geil das mit dem Polo, aber saulangweilig!

  2. Moin lieber Cosäng,

    da ich in der Tat schon seit Tagen gespannt Deinen Blog verfolge und mich sehr an Lisis und meine supercoole Reise nach HK erinnert fühle – hiermit eine kurze Nachricht! In Deutschland verpasst Du nix spannendes – also genieß das Gewusel in einer der tollsten Stätde wo gibt! Liebe Grüße aus HH. Lena

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