One World

Heute gings endlich los… Nachdem ich noch Besuch aus Germany hatte, waren die letzten Tage doch garnicht mehr sooo schlimm. Clara hat sich auf ihrem Stop-Over-Trip fröhlich die City angeguckt und ich konnte ihr Abends noch das Nightlife von Hong Kong zeigen. Freitag war dann mein letzter Abend und das wurde gebührend gefeiert…
Nach einem kleinen Abstecher im „tivo“ (Kleiner Tipp: 3 Häuschen weiter ist nen 7-Eleven, da gibts das Heineken für 1/5 des Preises 😉 …) gings in den „Kee Club“. Großes Kino – nette Atmosphäre, Granaten-Musik und leuchtende Gin-Tonics gefielen nicht nur meinem Besuch. Aber da war noch lange nicht Schluss, denn direkt danach gings ins „drop“, um ein letztes Mal Hong Kongs Club-Kultur zu erleben… Da Clara aber etwas gejet-lagt war, haben wir um 3 schon Schluss gemacht und ich konnte amstag früh genug aufstehen, um mein Köfferchen zu packen.. Fühlte sich zu diesem Zeitpunkt bleischwer an… Wirklich bleischwer.

Aber der Tag war ja noch lange nicht zu Ende. Es ging nach Sha Tin, denn Clara wollte unbedingt noch ein Horserace in HK sehen. Zwar ist Sha Tin nicht ganz so publik wie der Racecourse in Happy Valley, aber Samstag gabs nunmal keine Wahl. Also gings ab in die MTR und ab nach Sha Tin, wo wir uns noch 2-3 Rennen angeguckt haben. Und Sha Tin war wirklich anders: Kaum Expats, kein Bier, kein McDonalds, sondern nur spielsüchtige Chinesen… Naja, für die Erfahrung wars bestimmt nicht schlecht!
Was gut an Sha Tin ist, dass man das ganze einfach mit etwas „Kultur“ verbinden konnte, denn direkt in der Nähe befand sich die „10.000-Buddha-Monastery“, eine Institution, die sich damit schmückt, wirklich 10.380 Buddhas zu beherbergen. Natürlich sind die nicht alle groß und gold, aber der Eingang wurde definitiv von ziemlich kitschigen, großen goldenen Buddha-Statuen geschmückt, wo keine der andeen glich…

Abends wurde dann noch kräftig geshoppt, Clara’s Koffer hatte die 28-kg Schallgrenze (noch) nicht durchbrochen… und dann hieß es auch schon: Auf gehts zum Flughafen. Whao – das ging dann doch irgendwie ziemlich schnell. Auf einmal war alles „das letzte mal xxx in Hong Kong“. 4 Monate, die isch momentan anfühlen wie ein verrückter Traum. Irgendwie will es noch nicht in meinen Kopf, dass auf einmal alles vorbei ist – irgendwie fühlte es sich vor 3 Tagen noch so ewig lange an. Komisch, aber jetzt sitze ich schon auf dem Flughafen in Dubai und merke, dass diese Welt wirklich verschieden ist. Hier ist alles voller Araber, Schwarzer, ein paar verstörter Chinesen, die glaube ich die Welt nicht mehr verstehen und deutschen Pauschaltouristen… Seltsam. China kam mir so fremd und anders vor, aber je mehr Orte man besucht, desto mehr merkt man, dass die Welt verdammt verschieden ist und keine Kultur der anderen gleicht. Ich frag mich gerade, wie wohl ein Auslandssemester im arabischen Raum geworden wäre…

Nee, lieber nicht….
Erstmal wird sich sowieso auf Deutschland gefreut. Und auf Essen, denn sowas wird mir lange nicht mehr über den Weg laufen (*freu*): http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,522693,00.html

Die letzen Tage…

sind schon fast gezählt… Und da ich verdammt lange schon nichts mehr geschrieben habe, nutze ich den Infekt, der mich momentan davon abhält, mein Bett zu verlassen, um noch mal einen kleinen Beitrag zu verfassen. Immerhin ist heute schon Donnerstag, was so viel bedeutet, dass mein vorvorletzter Tag in Hong Kong angebrochen ist…!

Die Uni ist in den letzten Tagen so dahingeplätschert und wir haben allesamt die letzten Tage in der Bibliothek verbracht. Trotz meiner eher mageren Klausurausbeute gab es doch das eine oder andere zu tun. Leider hat alles andere (Nachtleben, Ausflüge, etc.) etwas darunter gelitten, so dass wirklich nicht viel passiert ist.

Ich freue mich riesig auf Deutschland, denn auch kurz vor dem Ende muss oder kann ich zugeben, dass Hong Kong nicht meine Welt war und sein wird. Ich hab mich nie wirklich wohlgefühlt – auch, wenn ich es streckenweise wirklich stark versucht habe. Man muss schon in der Lage sein, über wesentliche Dinge hinwegzusehen und vieles ausblenden können, um in dieser Stadt mehr positives als negatives zu sehen. Dabei möchte ich nicht alles schwarzmalen, aber es kann mir keiner erzählen, dass Hong Kong es einem einfach macht… Hong Kong bietet unheimlich viele Gelegenheiten und ermöglicht vielen einen „Neustart“. Egal wo man herkommt, in HK ist erstmal alles möglich. Doch stehen für mich auf der anderen Seite der Gleichung zu viele schwerwiegende Argumente, die nie im Leben durch Geld, Erfolg und der Möglichkeit, „neu anzufangen“, eliminiert werden könnten.

Hong Kong ist in vielerlei Hinsicht ein Abbild von „Sin City“. Hier ist alles möglich, die Kontraste sind enorm und irgendwie hatte ich zu viel das Gefühl, dass Rücksicht, Freundschaft und Wärme nichts zählen. Angefangen von den manchmal schon erschreckenden Zuständen in Wan Chai, dem Rotlichbezirk in dem jeder noch so verschrobene Schraubenhersteller aus dem Schwabenländle trotz Oberlippenbart und Halbglatze nochmal seinen 2. Frühling erlebt, bis hin zu den riesigen Kontrasten zwischen der weltgrößten Rolls-Royce Bestellung des Peninsulas und den unzähligen Sozialwohnungen, in denen der Großteil (!) der Hong Konger Bevölkerung auf unwürdigen 30-40qm pro Familie (3-5 Menschen) lebt…

Jemand hat mal zu mir gesagt: „Don’t blame them – that’s just Chinese!“, was soviel bedeutet wie: Die können da nichts für, so ist China halt… Klar – wenn man sein Leben lang nichts anderes gewohnt ist und die Welt nicht anders kennt, dann merkt man irgendwann nichts mehr und das kleinste Flimmern erscheint auf einmal wie ein Flutlichtmast… Aber mal ganz ehrlich: Wir Europäer wissen NICHTS über China. Jedenfalls kann ich das aus meiner eigenen Erfahrung sagen: Als ich hierhergekommen war, war China für mich Kultur, Respekt, schöne Tempel, Terrakottakrieger und Fahrräder. Das, was sich aber wirklich im Fernen Osten abspielt, hat absolut nichts mit dieser Wahrnehmung am Hut. Wer sich nur einmal die Mühe macht, Abseits von HK-Central, Abseits von der verbotenen Stadt und Abseits der Großen Mauer, mit offenen Augen umzuschauen, sieht das, was China wirklich ist und versucht zu sein… China ist seit einigen Jahren auf dem Weg, eine der großen Weltmächte zu sein – und das mit Biegen und Brechen und einem unheimlichen Tempo. Dass da vieles unter den Tisch fällt, bzw. unter den Teppich gekehrt wird, kann man verstehen. Für mich ist es schwer, die Parallelen zwischen „unserer“ Industrialisierung und der derzeitigen Entwicklung in China zu sehen – aber wer weiß: Vielleicht haben wir damals ja eine ähnliche Entwicklung durchgemacht und haben uns einfach etwas mehr Zeit gelassen?! Hmmm… wir werden alle sehen, was dabei rauskommt, nicht wahr?!

Bevor ich nach China gekommen war, hat mir ebenfalls mal jemand erzählt, dass es in China ja so viele Millionenstädte geben würde, von denen die meisten Europäer ja noch nie gehört hätten: Shenzhen, Guangzhao, Chengdu… Klar – dies sind alles Epizentren der Chinesischen Entwicklung, aber im Gegensatz zu San Francisco, New York, Madrid, Paris, Berlin und, und, und sind diese Städte innerhalb von 10-15 Jahren aus dem Boden gepresst worden und bieten neben einem stattlichen BIP und hohen Wachstumsraten absolut N.I.C.H.T.S. ! Auf mich haben die Städte, die ich hier gesehen habe den Eindruck von Geisterstädten gemacht, denn neben den paar Relikten der Kultur, die man stehengelassen hat, hatten sich mir nur unansehnliche Hoch-Wohnhäuser und charaktelose Städte offenbart… Hmm… Vielleicht hätte ich das alles als ein riesiges Gelsenkirchen sehen sollen: Hässlich, aber irgendwie doch wichtig für Aufschwung und Land 😉 ?! Ich bin auf jedenfall gespannt, was mit China passiert… Ich bin mittlerweile auch Anhänger der Verschwörungstheorie, die behauptet, dass in China nach den Olympischen Spielen etwas „großes“ passiert – was, das weiß nur Nostradamus oder die Illuminati, nicht wahr…? 🙂

Ich schwinge Samstag Nacht aber wieder meine Flügel und steige mit großer Vorfreude in meinen Emirates-Flieger und freue mich auf ein leckeres Essen in Hamburch City…

Ich hab mich beim Schießen des Fotos gefragt, was dem armen kleinen Kerl wohl durch den Kopf gegangen sein muss – aber irgendwie hab ich manchmal das Gefühl, dass wir in diesem einen Moment genau das gleiche gedacht haben müssen…

Advent, Advent…

ein Lichtlein brennt…

Nachdem ich schon böse Countdown-Verbote aus der Heimat bekommen hatte, fange ich heute offiziell wieder an, zu zählen: 13 🙂 ! Die verflixte dreizehn und die letzten 2 Wochen in Hong Kong…

Der letzte Tag

Was für ein Gefühl: Heute ist der LETZTE Tag an der HKU! Ein Fest, eine Erlösung und gleichzeitig der Beweis für die größte Enttäuschung meiner akademischen Laufbahn…

Das, was mir hier für einen Haufen Geld geboten wurde, war nicht nur unter aller Sau, nein es war DAS LETZTE. Und das kann ich jetzt ganz ohne Bitterkeit und Subjektivität sagen. Denn jeder, der am Programm „Economics & Finance“ an der HKU teilgenommen hätte, wäre wohl zu dem gleichen Schluss gekommen. Die Professoren waren unfassbar mies und die Vorlesungen entsprechend. Die Tutorials glichen Drills und hatten kaum Mehrwert. Alles, was den Studenten hier vermittelt wurde waren bruchstückartige Fakten, die ganz ohne Zusammenhang auswendig gelernt wurden. Ich bin in meinem ganzen Leben noch nie einer so ignoranten und undifferenzierten Handhabung mit akademischer Materie über den Weg gelaufen, wie hier in HK. Nichts wurde verstanden, nichts wurde gelernt. In den Tutorials wurde ein Aufgabentyp mehrfach durchgesprochen und wiederholt (DO IT NOW!) und Fragen wurden regelrecht unterdrückt. Geilster Kommentar: „When you will be working, and you get a wrong result, you will be fired…!“. Klar – wenn ich als Arbeitgeber die Wahl hätte, würde ich so jemanden nie im Leben einstellen…

Meine Güte – und in Deutschland regt man sich darüber auf, dass man in der PISA-Studie mal wieder nichts so blendend abgeschnitten habe… (http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,520422,00.html).Und wer sitzt auf dem 2. Platz weltweit: Hong Kong SAR. Und da frage ich mich allen ernstes: Wollen wir auf einem solchen Platz stehen? Ich würde aus voller Überzeugung sagen: NEIN! Nie im Leben. Lieber habe ich schlechte Resultate in einem solchen Test, als eine Ansammung von Lernzombies, die trotz all ihres „Wissens“ einen Horizont von hier bis zum Ende ihrer Reisschüssel haben. Schule ist hier ein Drill. Schon 3-jährige Kinder lernen in uniformer Kleidung von morgens bis abends auswendig, mit dem einzigen Ziel irgendwann mal 16 Stunden am Tag zu arbeiten und möglichst viel Geld zu verdienen. Klar, das dabei gute Resultate in stupiden Tests rauskommen. Aber bestimmte Sachen können einem in solchen Lernstätten nicht gelehrt werden: Menschlichkeit, Offenheit, die Fähigkeit, differenziert zu denken und alles, was man sonst noch unter dem Begriff „soft skills“ verstehen könnte…

Ich hatte leider in meiner Zeit hier an der HKU mit HK-Chinesen so viel zu tun wie Mohammed mit Schweinefleisch – aber das liegt keinesfalls daran, dass ich Chinesen nicht kosher finde (Ohhhh, wer hätte geglaubt, dass man diese Worte in einem (!) Satz unterbringen kann 🙂 ), sondern vielmehr, dass dies einfach unmöglich war. Aus meiner Erfahrung heraus, muss ich leider zugeben, dass HK-Chinesen kalt, selbstzentriert und furchtbar effizient sind. Alles scheint darauf ausgerichtet zu sein, möglichst viel zu erreichen und später möglichst reich zu werden. „Money is GOD“ – Geld bestimmt jede Sekunde des Lebens. Wer nichts verdient, ist in der Gesellschaft nichts wert. Wer keine Markenartikel trägt, verdient kein Geld und ist dementsprechend nichts wert…. und so weiter. Doch dieser Pseudo-Religion wird alles und jeder unterworfen. Kultur, Religion, Lebensfreude, Ästhetik, Spaß, Freiheit und Denken – alles muss sich dem Geld unterwerfen. Ziemlich harsche Kritik für jemanden, der später einmal im Finanz-Sektor arbeiten möchte, aber ich verstehe unter Effizienz und Zielstrebigkeit immernoch einen Mix aus ersterem und Lebensqualität.

Angela Merkel würde sich hier pudelwohl fühlen, denn der Großteil der Menschen hat ungefähr die gleichen Gesichtszüge wie unsere Frau Bundeskanzlerin (bevor sie professionelle Hilfe bekam). Hong Kong biete keine Freiheit: Die gesamte Stadt ist darauf ausgerichtet, zu funktionieren. Aber ohne Rücksicht darauf, dass es Menschen sind, die hier funktionieren sollen! Sicherlich ist es aus Arbeitgeber-Sicht phantastisch, auf eine Workforce zurückzugreifen, die nie „Nein“ sagt und ohne Murren 16 Stunden pro Tag arbeitet. Klar – aber für mich hat so ein System keine Zukunft. In einer Stadt, in der „Shopping“ die Freizeitbeschäftigung Nr. 1 ist, läuft Grundsätzliches schief… Kapitalismus rulez, ohne Rücksicht, ohne Widerstand.

Warum schreibe ich sowas? Ich versteh’s grade auch nicht… Ich, als Vertreter der freien Marktwirtschaft, Student der BWL und Anhänger liberaler Gedanken. Hmmm… vielleicht, weil hier alles im Exzess betrieben wird und einem deutlich wird, wohin das alles führen kann. Die Universität und die Menschen haben bewirkt, dass ich mittlerweile kurz davor bin, meine Reise ans andere Ende der Welt zu bereuen. Immerhin hätte ich genauso gut etwas lernen können, vielleicht nen schönes Auslandssemester in Spanien verbringen können und so weiter. Aber dafür ist es zu spät. Niemand kann mir vorwerfen, dass ich nicht versucht hätte, das beste daraus zu machen – das habe ich. Ich habe nicht aufgegeben und jeden Tag versucht, einen neuen Start hinzulegen, doch bin ich an noch Unerklärlichem gescheitert. Im Grunde rege ich mich momentan so unglaublich darüber auf, dass ich zerplatzen könnte. Hätte ich vorher die Gelegenheit gehabt, einen Einblick in dieses System zu bekommen, wäre ich nie im Leben hierher gekommen. Tagtäglich zu versuchen, tagtäglich zu kämpfen hat nur bedint einen Sinn, nämlich nur dann, wenn das Ziel, welches man verfolgt, lohnenswert ist. Und wenn dies bedeutet, dass man sich dieser Ignoranz unterwirft und im Strom schwimmt: No, thanks.

Doch letztendlich kann ich zu einem Schluss kommen: Ich würde dennoch empfehlen, diese Stadt zu „erfahren“, denn es gibt einem Einblicke, die man wohl anders nie erleben würde. Ob das hier Asien ist, oder gar „die Zukunft“, möchte ich gar nicht wissen. Aber es gesehen zu haben ist schon mal ganz wertvoll. Auch, wenn es alles nicht einfach wäre und ich gut und gerne direkt wieder umgedreht wäre. Wovon ich jedem abraten kann, ist von einem Studium an der HKU. Jedenfalls für das Programm „Econ & Finance“. Das ist – ganz ohne Wertung – schlicht und ergreifend Geld- und Zeitverschwendung. Man kann diese Stadt und ihre Leute auch „angenehmer“ kennenlernen…

Und täglich glüßt das Mulmeltiel…

So kommt mir mein Tagesablauf langsam vor, nur dass es überhaupt nicht witzig ist. Jeder Tag gleicht dem anderen und es gibt viel zu wenig Abwechslung. Selbst das Wochenende scheint zu normal… Hab’s dieses Wochenende nochmal versucht, an den Strand zu gehen, aber selbst dort herrscht mittlerweile Einöde und überhaupt keine Strand-Stimmung mehr… 😦 ! Mittlerweile ist es da zu kalt und Sonntag hat sich abschreckender Weise gezeigt, was Chinesen außer Fotografieren am Strand noch alles so machen: Eine Riesen Verkaufs- & Spielveranstaltung mitten in meinem persönlichen Paradies. Mies. Ich würd mich nicht wundern, wenn die nur um mich zu ärgern, am nächten Wochenende den ganzen Strand zubetonieren würden… Ist bestimmt unglaublich effizient und auch viel besser für die Fotos… Zu allem Überfluss hab ich mir anscheinend auch noch ne kleine Erkältung eingefangen, denn trotz 21°C Außentemperatur gibts immernoch Kühltransporteratmosphäre in öffentlichen Verkehrsmitteln.

Da ich mittlerweile nur noch einen Tag habe, an dem ich einigermaßen ausschlafen kann (Sonntags gehen die Hochzeiten erst um 9 los…), bin ich etwas übermüdet, um es milde zu umschreiben… Seit 3 Wochen hat sich die Kirche im Hof in ein schickes Plastikgewand gehüllt und wird fröhlichst von 7:30Uhr bis 18:30Uhr gesandstrahlt. Und das ist bei meinem 0,5-mm-Scheiben echt laut:

So startet also jeder Tag mit einem ohrenbetäubenden Lärm… Und da meine Ohren was gegen Stöpsel haben, schlaf ich 1. nicht mehr so lange und 2. ist mit entspanntem Frühstück nicht mehr zu rechnen. Heute gabs aber was lustiges im CCTV-Propaganda-Kanal unserer chinesischen Freunde. Glücklicherweise gibt’s auf CCTV, der Propagandamaschine der Volksrepublik einen „internationalen“ Kanal, wo’s „Nachrichten“ auf Englisch gibt. Und heute morgen war ein glosaltigel Tag fül unselel Nation: China präsentierte stolz das erste 3D-Bild vom Mond. Mit eigener, herausragender chinesischer Technik, selbst geschossen und heftigst gefeiert. Die Zeremonie war ein riesen Spaß und hat mir meine Schüssel Kellog’s Frosties mehr als versüßt. Premier Jiabao hatte in einem gigantischen Raum der chinesischen Raumfahrtbehörde mitsamt lustig gekleideten Militärs einen 1m x 1,50m großen Ausdruck von einem Mondfoto enthüllt. Und das mit großem Taraaa und viel Balsam für die chinesische Volksseele. Das geilste waren aber die „Wissenschaftler“, die an unzähligen Computern aufgereiht vor ihm saßen und in gelben Gummistiefeln und Overrals auf ihre Windows-Bildschirmschoner guckten. Saugeile Szenerie – wer auch immer „Austin Powers“ schonmal gesehen hat: Hier war das Original!

Traumhaft… Das war mal eine unerwartete Überraschung in meiner morgentlichen Routine. Danach gings aber zahnradmäßig weiter zum Bus und ab in die Uni. Und was das hier bedeuten soll, weiß ich bis jetzt noch nicht:

Ich schwanke noch zwischen effizienter Partnervermittlung im Laufradstil oder Swingerclub mit Sushi-Laufbandfunktion… Aber eins von beiden wird’s sicherlich sein. Jedenfalls bestätigt es meine Vermutung, dass Chinesen sich pudelwohl in ihrer Maus-im-Laufrad-Rolle fühlen…

Ich dreh jedenfalls durch. Mein Hirn fühlt sich mittlerweile so an, als hätte es Starbucks-Käsekuchen-Konsistenz und mir hängt dieser Alltagstrott und die fehlende Bewegungsfreiheit mehr als zum Halse raus. Ich will wieder den Horizont sehen können (jetzt mal ehrlich: Ich meine die Linie zwischen dem letzten Stück Land, das man sieht und dem Himmel!!!), denn das gibts hier aus zwei Gründen nicht: Entweder sind’s die Hochhäuser oder der Smog 😦 ! Und ich will wieder Tage haben, an denen ich mich nicht auf den Abend freue, denn das kanns ja auch nicht sein, oder? Freude schöner Götterfunken, es sind heute nur noch 20 Tage bis zum Take-Off.

Bis dahin muss ich mir das hier wohl noch ab und zu geben:

Shalalalaaaaa…

Frust in der Volksrepublik

Witzig… Gerade hat „Der Spiegel“ einen Artikel über deutsche Studenten in China herausgebracht…

Sehr interessant: http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,517857,00.html

Weg-Weiser?

Nachdem sich mein Blog in letzter Zeit zu einer Art Weg-Weiser, also einem Reiseführer, der einem eher davon abrät, diese Region zu besuchen, entwickelt hat und bei einer täglichen Besucherrate von 50 (!) Besuchern bisher beinahe 3.000 Klicks bekommen hat, fühle ich mich mittlerweile gezwungen, einiges klarzustellen…

Zuallererst handelt es sich bei diesem Blog um eine subjektive, persönliche Lebenserfahrung, die dadurch geprägt ist, dass ich bin wie ich bin und ich reagiere, wie ich reagiere. Hong Kong empfängt jeden Menschen auf dieser Welt auf eine andere Art und Weise und jeder Mensch spiegelt die Impressionen und Eindrücke, die er in dieser Stadt erhält, auf eine andere Art und Weise wieder. Ich hatte das Pech, zu einer Zeit in diese Stadt zu kommen, in der ich selbst im Grunde das komplette Gegenteil hätte gebrauchen können. Ich sehnte mich im August nach wenigen, simplen Dingen: Ruhe, guten Noten (mit wenig Arbeitseinsatz) und einem Eintrag in meinem Lebenslauf. So einfach hab ich mir das damals vorgestellt. Ich erwartete New York mit nem etwas größerem China-Town. Im Grunde das „klassische Auslandssemester“: Studium, neue Leute, ein paar Partys und vor allem eins: ein Gefühl von Ferien.

Doch all das hatte Hong Kong für mich persönlich nicht bereitgelegt. Diese Stadt hatte jeden Tag eine neue Prüfung, einen „Faustschlag ins Gesicht“, wenn man so will, für mich parat. Nichts, aber auch wirklich garnichts kam so, wie ich es mir erhofft hatte. Und da ich für diese Tiefschläge weder vorbereitet, noch psychisch und physisch präpariert war, bin ich mit der Situation so umgegangen, wie ich es in den letzten 3 Monaten gemacht habe. Sicherlich gibt es Fakten, die man nicht anzweifeln kann, wie zum Beispiel die „anzweifelbare“ Lehrqualität der Professoren, die Massen von Menschen, die engen Straßen, die unglaubliche Bevölkerungsdichte mit all ihren negativen Aspekten, und, und, und… doch heißt das noch lange nicht, dass Hong Kong zwangsweise zu einer negativen Erfahrung werden muss.

Ich hatte in letzter Zeit durch diesen Blog die Gelegenheit, mit mehreren Personen zu sprechen, die entweder ähnliche Erfahrungen gemacht haben, oder die gerade darüber nachdenken, dieselbe Reise anzutreten, die ich vor wenigen Monaten begonnen habe. Und ich bin mir nicht sicher, was ich empfehlen soll. Wovon ich Gott sei dank mittlerweile überzeugt bin, ist die Tatsache, dass ich kein „Einzelfall“ bin – es gibt mehrere Leute, die sich genauso fühlen wie ich, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben, wie ich – doch gibt es genauso viele (und wenn nicht sogar viel mehr), die sich hier wohl fühlen, die selbst in dieser, für mich so unwidrigen Atmosphäre, das erreichen, was sie erreichen wollten und sich wohl fühlen und eine gute Zeit haben. Deswegen: Eltern haften weiterhin für ihre Kinder und wer diese Reise bewusst begeht und sich auf ein Abenteuer vorbereitet, der mag hier vielleicht das beste Jahr seines Lebens verbringen, mit Eindrücken, die einem kein Urlaub, kein Film und kein Buch bieten kann, denn nur das wahre Leben scheint einem diese „Lebenserfahrungen“ vermitteln zu können…

Beenden möchte ich diesen Eintrag mit folgendem Zitat, das mir die Augen geöffnet hat…:
„Pride is what got you out of here, pride is what brought you back. People like you – they need to be tested. They need a challenge. And when that time comes and you find something standing there in front of you, something… – it ain’t running, it ain’t backing up and it’s shitting on you and you’re too damn tired to breathe, you find a situation that is good for you. ‚Cuz that is baptizm under fire. You get through that and you’ll find the only kind of respect that matters in this damn world: Self-respect.“

Ist nen bißchen cheesy, aber es ist irgendwie verdammt wahr: „It ain’t about how hard you can hit, it’s about how hard you can get it and keep moving forward – how much you can take and keep moving FORWARD!“