Hong Kong 2007

Beiträge vom November 2007

Der letzte Tag

November 30, 2007 · 2 Kommentare

Was für ein Gefühl: Heute ist der LETZTE Tag an der HKU! Ein Fest, eine Erlösung und gleichzeitig der Beweis für die größte Enttäuschung meiner akademischen Laufbahn…

Das, was mir hier für einen Haufen Geld geboten wurde, war nicht nur unter aller Sau, nein es war DAS LETZTE. Und das kann ich jetzt ganz ohne Bitterkeit und Subjektivität sagen. Denn jeder, der am Programm „Economics & Finance“ an der HKU teilgenommen hätte, wäre wohl zu dem gleichen Schluss gekommen. Die Professoren waren unfassbar mies und die Vorlesungen entsprechend. Die Tutorials glichen Drills und hatten kaum Mehrwert. Alles, was den Studenten hier vermittelt wurde waren bruchstückartige Fakten, die ganz ohne Zusammenhang auswendig gelernt wurden. Ich bin in meinem ganzen Leben noch nie einer so ignoranten und undifferenzierten Handhabung mit akademischer Materie über den Weg gelaufen, wie hier in HK. Nichts wurde verstanden, nichts wurde gelernt. In den Tutorials wurde ein Aufgabentyp mehrfach durchgesprochen und wiederholt (DO IT NOW!) und Fragen wurden regelrecht unterdrückt. Geilster Kommentar: „When you will be working, and you get a wrong result, you will be fired…!“. Klar – wenn ich als Arbeitgeber die Wahl hätte, würde ich so jemanden nie im Leben einstellen…

Meine Güte – und in Deutschland regt man sich darüber auf, dass man in der PISA-Studie mal wieder nichts so blendend abgeschnitten habe… (http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,520422,00.html).Und wer sitzt auf dem 2. Platz weltweit: Hong Kong SAR. Und da frage ich mich allen ernstes: Wollen wir auf einem solchen Platz stehen? Ich würde aus voller Überzeugung sagen: NEIN! Nie im Leben. Lieber habe ich schlechte Resultate in einem solchen Test, als eine Ansammung von Lernzombies, die trotz all ihres „Wissens“ einen Horizont von hier bis zum Ende ihrer Reisschüssel haben. Schule ist hier ein Drill. Schon 3-jährige Kinder lernen in uniformer Kleidung von morgens bis abends auswendig, mit dem einzigen Ziel irgendwann mal 16 Stunden am Tag zu arbeiten und möglichst viel Geld zu verdienen. Klar, das dabei gute Resultate in stupiden Tests rauskommen. Aber bestimmte Sachen können einem in solchen Lernstätten nicht gelehrt werden: Menschlichkeit, Offenheit, die Fähigkeit, differenziert zu denken und alles, was man sonst noch unter dem Begriff „soft skills“ verstehen könnte…

Ich hatte leider in meiner Zeit hier an der HKU mit HK-Chinesen so viel zu tun wie Mohammed mit Schweinefleisch – aber das liegt keinesfalls daran, dass ich Chinesen nicht kosher finde (Ohhhh, wer hätte geglaubt, dass man diese Worte in einem (!) Satz unterbringen kann :) ), sondern vielmehr, dass dies einfach unmöglich war. Aus meiner Erfahrung heraus, muss ich leider zugeben, dass HK-Chinesen kalt, selbstzentriert und furchtbar effizient sind. Alles scheint darauf ausgerichtet zu sein, möglichst viel zu erreichen und später möglichst reich zu werden. „Money is GOD“ – Geld bestimmt jede Sekunde des Lebens. Wer nichts verdient, ist in der Gesellschaft nichts wert. Wer keine Markenartikel trägt, verdient kein Geld und ist dementsprechend nichts wert…. und so weiter. Doch dieser Pseudo-Religion wird alles und jeder unterworfen. Kultur, Religion, Lebensfreude, Ästhetik, Spaß, Freiheit und Denken – alles muss sich dem Geld unterwerfen. Ziemlich harsche Kritik für jemanden, der später einmal im Finanz-Sektor arbeiten möchte, aber ich verstehe unter Effizienz und Zielstrebigkeit immernoch einen Mix aus ersterem und Lebensqualität.

Angela Merkel würde sich hier pudelwohl fühlen, denn der Großteil der Menschen hat ungefähr die gleichen Gesichtszüge wie unsere Frau Bundeskanzlerin (bevor sie professionelle Hilfe bekam). Hong Kong biete keine Freiheit: Die gesamte Stadt ist darauf ausgerichtet, zu funktionieren. Aber ohne Rücksicht darauf, dass es Menschen sind, die hier funktionieren sollen! Sicherlich ist es aus Arbeitgeber-Sicht phantastisch, auf eine Workforce zurückzugreifen, die nie „Nein“ sagt und ohne Murren 16 Stunden pro Tag arbeitet. Klar – aber für mich hat so ein System keine Zukunft. In einer Stadt, in der „Shopping“ die Freizeitbeschäftigung Nr. 1 ist, läuft Grundsätzliches schief… Kapitalismus rulez, ohne Rücksicht, ohne Widerstand.

Warum schreibe ich sowas? Ich versteh’s grade auch nicht… Ich, als Vertreter der freien Marktwirtschaft, Student der BWL und Anhänger liberaler Gedanken. Hmmm… vielleicht, weil hier alles im Exzess betrieben wird und einem deutlich wird, wohin das alles führen kann. Die Universität und die Menschen haben bewirkt, dass ich mittlerweile kurz davor bin, meine Reise ans andere Ende der Welt zu bereuen. Immerhin hätte ich genauso gut etwas lernen können, vielleicht nen schönes Auslandssemester in Spanien verbringen können und so weiter. Aber dafür ist es zu spät. Niemand kann mir vorwerfen, dass ich nicht versucht hätte, das beste daraus zu machen - das habe ich. Ich habe nicht aufgegeben und jeden Tag versucht, einen neuen Start hinzulegen, doch bin ich an noch Unerklärlichem gescheitert. Im Grunde rege ich mich momentan so unglaublich darüber auf, dass ich zerplatzen könnte. Hätte ich vorher die Gelegenheit gehabt, einen Einblick in dieses System zu bekommen, wäre ich nie im Leben hierher gekommen. Tagtäglich zu versuchen, tagtäglich zu kämpfen hat nur bedint einen Sinn, nämlich nur dann, wenn das Ziel, welches man verfolgt, lohnenswert ist. Und wenn dies bedeutet, dass man sich dieser Ignoranz unterwirft und im Strom schwimmt: No, thanks.

Doch letztendlich kann ich zu einem Schluss kommen: Ich würde dennoch empfehlen, diese Stadt zu „erfahren“, denn es gibt einem Einblicke, die man wohl anders nie erleben würde. Ob das hier Asien ist, oder gar „die Zukunft“, möchte ich gar nicht wissen. Aber es gesehen zu haben ist schon mal ganz wertvoll. Auch, wenn es alles nicht einfach wäre und ich gut und gerne direkt wieder umgedreht wäre. Wovon ich jedem abraten kann, ist von einem Studium an der HKU. Jedenfalls für das Programm „Econ & Finance“. Das ist – ganz ohne Wertung – schlicht und ergreifend Geld- und Zeitverschwendung. Man kann diese Stadt und ihre Leute auch „angenehmer“ kennenlernen…

Kategorien: Auslandssemester Hong Kong

Und täglich glüßt das Mulmeltiel…

November 26, 2007 · Kommentar schreiben

So kommt mir mein Tagesablauf langsam vor, nur dass es überhaupt nicht witzig ist. Jeder Tag gleicht dem anderen und es gibt viel zu wenig Abwechslung. Selbst das Wochenende scheint zu normal… Hab’s dieses Wochenende nochmal versucht, an den Strand zu gehen, aber selbst dort herrscht mittlerweile Einöde und überhaupt keine Strand-Stimmung mehr… :( ! Mittlerweile ist es da zu kalt und Sonntag hat sich abschreckender Weise gezeigt, was Chinesen außer Fotografieren am Strand noch alles so machen: Eine Riesen Verkaufs- & Spielveranstaltung mitten in meinem persönlichen Paradies. Mies. Ich würd mich nicht wundern, wenn die nur um mich zu ärgern, am nächten Wochenende den ganzen Strand zubetonieren würden… Ist bestimmt unglaublich effizient und auch viel besser für die Fotos… Zu allem Überfluss hab ich mir anscheinend auch noch ne kleine Erkältung eingefangen, denn trotz 21°C Außentemperatur gibts immernoch Kühltransporteratmosphäre in öffentlichen Verkehrsmitteln.

Da ich mittlerweile nur noch einen Tag habe, an dem ich einigermaßen ausschlafen kann (Sonntags gehen die Hochzeiten erst um 9 los…), bin ich etwas übermüdet, um es milde zu umschreiben… Seit 3 Wochen hat sich die Kirche im Hof in ein schickes Plastikgewand gehüllt und wird fröhlichst von 7:30Uhr bis 18:30Uhr gesandstrahlt. Und das ist bei meinem 0,5-mm-Scheiben echt laut:

So startet also jeder Tag mit einem ohrenbetäubenden Lärm… Und da meine Ohren was gegen Stöpsel haben, schlaf ich 1. nicht mehr so lange und 2. ist mit entspanntem Frühstück nicht mehr zu rechnen. Heute gabs aber was lustiges im CCTV-Propaganda-Kanal unserer chinesischen Freunde. Glücklicherweise gibt’s auf CCTV, der Propagandamaschine der Volksrepublik einen „internationalen“ Kanal, wo’s „Nachrichten“ auf Englisch gibt. Und heute morgen war ein glosaltigel Tag fül unselel Nation: China präsentierte stolz das erste 3D-Bild vom Mond. Mit eigener, herausragender chinesischer Technik, selbst geschossen und heftigst gefeiert. Die Zeremonie war ein riesen Spaß und hat mir meine Schüssel Kellog’s Frosties mehr als versüßt. Premier Jiabao hatte in einem gigantischen Raum der chinesischen Raumfahrtbehörde mitsamt lustig gekleideten Militärs einen 1m x 1,50m großen Ausdruck von einem Mondfoto enthüllt. Und das mit großem Taraaa und viel Balsam für die chinesische Volksseele. Das geilste waren aber die „Wissenschaftler“, die an unzähligen Computern aufgereiht vor ihm saßen und in gelben Gummistiefeln und Overrals auf ihre Windows-Bildschirmschoner guckten. Saugeile Szenerie – wer auch immer „Austin Powers“ schonmal gesehen hat: Hier war das Original!

Traumhaft… Das war mal eine unerwartete Überraschung in meiner morgentlichen Routine. Danach gings aber zahnradmäßig weiter zum Bus und ab in die Uni. Und was das hier bedeuten soll, weiß ich bis jetzt noch nicht:

Ich schwanke noch zwischen effizienter Partnervermittlung im Laufradstil oder Swingerclub mit Sushi-Laufbandfunktion… Aber eins von beiden wird’s sicherlich sein. Jedenfalls bestätigt es meine Vermutung, dass Chinesen sich pudelwohl in ihrer Maus-im-Laufrad-Rolle fühlen…

Ich dreh jedenfalls durch. Mein Hirn fühlt sich mittlerweile so an, als hätte es Starbucks-Käsekuchen-Konsistenz und mir hängt dieser Alltagstrott und die fehlende Bewegungsfreiheit mehr als zum Halse raus. Ich will wieder den Horizont sehen können (jetzt mal ehrlich: Ich meine die Linie zwischen dem letzten Stück Land, das man sieht und dem Himmel!!!), denn das gibts hier aus zwei Gründen nicht: Entweder sind’s die Hochhäuser oder der Smog :( ! Und ich will wieder Tage haben, an denen ich mich nicht auf den Abend freue, denn das kanns ja auch nicht sein, oder? Freude schöner Götterfunken, es sind heute nur noch 20 Tage bis zum Take-Off.

Bis dahin muss ich mir das hier wohl noch ab und zu geben:

Shalalalaaaaa…

Kategorien: Auslandssemester Hong Kong

Frust in der Volksrepublik

November 25, 2007 · Kommentar schreiben

Witzig… Gerade hat „Der Spiegel“ einen Artikel über deutsche Studenten in China herausgebracht…

Sehr interessant: http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,517857,00.html

Kategorien: Auslandssemester Hong Kong

Weg-Weiser?

November 20, 2007 · Kommentar schreiben

Nachdem sich mein Blog in letzter Zeit zu einer Art Weg-Weiser, also einem Reiseführer, der einem eher davon abrät, diese Region zu besuchen, entwickelt hat und bei einer täglichen Besucherrate von 50 (!) Besuchern bisher beinahe 3.000 Klicks bekommen hat, fühle ich mich mittlerweile gezwungen, einiges klarzustellen…

Zuallererst handelt es sich bei diesem Blog um eine subjektive, persönliche Lebenserfahrung, die dadurch geprägt ist, dass ich bin wie ich bin und ich reagiere, wie ich reagiere. Hong Kong empfängt jeden Menschen auf dieser Welt auf eine andere Art und Weise und jeder Mensch spiegelt die Impressionen und Eindrücke, die er in dieser Stadt erhält, auf eine andere Art und Weise wieder. Ich hatte das Pech, zu einer Zeit in diese Stadt zu kommen, in der ich selbst im Grunde das komplette Gegenteil hätte gebrauchen können. Ich sehnte mich im August nach wenigen, simplen Dingen: Ruhe, guten Noten (mit wenig Arbeitseinsatz) und einem Eintrag in meinem Lebenslauf. So einfach hab ich mir das damals vorgestellt. Ich erwartete New York mit nem etwas größerem China-Town. Im Grunde das „klassische Auslandssemester“: Studium, neue Leute, ein paar Partys und vor allem eins: ein Gefühl von Ferien.

Doch all das hatte Hong Kong für mich persönlich nicht bereitgelegt. Diese Stadt hatte jeden Tag eine neue Prüfung, einen „Faustschlag ins Gesicht“, wenn man so will, für mich parat. Nichts, aber auch wirklich garnichts kam so, wie ich es mir erhofft hatte. Und da ich für diese Tiefschläge weder vorbereitet, noch psychisch und physisch präpariert war, bin ich mit der Situation so umgegangen, wie ich es in den letzten 3 Monaten gemacht habe. Sicherlich gibt es Fakten, die man nicht anzweifeln kann, wie zum Beispiel die „anzweifelbare“ Lehrqualität der Professoren, die Massen von Menschen, die engen Straßen, die unglaubliche Bevölkerungsdichte mit all ihren negativen Aspekten, und, und, und… doch heißt das noch lange nicht, dass Hong Kong zwangsweise zu einer negativen Erfahrung werden muss.

Ich hatte in letzter Zeit durch diesen Blog die Gelegenheit, mit mehreren Personen zu sprechen, die entweder ähnliche Erfahrungen gemacht haben, oder die gerade darüber nachdenken, dieselbe Reise anzutreten, die ich vor wenigen Monaten begonnen habe. Und ich bin mir nicht sicher, was ich empfehlen soll. Wovon ich Gott sei dank mittlerweile überzeugt bin, ist die Tatsache, dass ich kein „Einzelfall“ bin – es gibt mehrere Leute, die sich genauso fühlen wie ich, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben, wie ich – doch gibt es genauso viele (und wenn nicht sogar viel mehr), die sich hier wohl fühlen, die selbst in dieser, für mich so unwidrigen Atmosphäre, das erreichen, was sie erreichen wollten und sich wohl fühlen und eine gute Zeit haben. Deswegen: Eltern haften weiterhin für ihre Kinder und wer diese Reise bewusst begeht und sich auf ein Abenteuer vorbereitet, der mag hier vielleicht das beste Jahr seines Lebens verbringen, mit Eindrücken, die einem kein Urlaub, kein Film und kein Buch bieten kann, denn nur das wahre Leben scheint einem diese „Lebenserfahrungen“ vermitteln zu können…

Beenden möchte ich diesen Eintrag mit folgendem Zitat, das mir die Augen geöffnet hat…:
„Pride is what got you out of here, pride is what brought you back. People like you – they need to be tested. They need a challenge. And when that time comes and you find something standing there in front of you, something… – it ain’t running, it ain’t backing up and it’s shitting on you and you’re too damn tired to breathe, you find a situation that is good for you. ‘Cuz that is baptizm under fire. You get through that and you’ll find the only kind of respect that matters in this damn world: Self-respect.“

Ist nen bißchen cheesy, aber es ist irgendwie verdammt wahr: „It ain’t about how hard you can hit, it’s about how hard you can get it and keep moving forward – how much you can take and keep moving FORWARD!“

Kategorien: Auslandssemester Hong Kong

Unfassbar: Chinesen konfiszieren den Lonely Planet…

November 20, 2007 · Kommentar schreiben

Wenn die wüssten, wieviel dieses kleine Büchlein hilft… Wenn ich bedenke, dass man mir damals meinen Führer abgenommen hätte. Ich wäre hilflos und verloren gewesen :( ! Und dabei redet dieses kleine Schriftstück soviel schön und ist nur so gespickt mit euphemistischen Formulierungen… Naja, die Chinesen wissen’s besser, jedenfalls nehmen sie damit vielen Backpackern und Touristen DIE Reisegrundlage schlechthin. Clever, sowas direkt vor den Olympischen Spielen 2008 zu machen, aber die wissen schon, wie man sich als Nation nach außen präsentieren möchte…

http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,518262,00.html

Ich habe leider erst 2 Gelegenheiten gehabt, dieses Land zu besuchen – aber auch Hong Kong gibt mehr und mehr einen Eindruck, was China wirklich ist und was es bedeutet, Teil eines sozialistisch geprägten Landes zu sein, das in den kommenden Jahren eine verstärkt bedeutende Rolle in der Weltgeschichte tragen wird. Manchmal macht mir die Entwicklung dieses Landes etwas Angst – sicherlich fehlt mir das politische Know-How, um ein qualifiziertes Urteil abzugeben, doch sehe ich viel „Sprengungspotenzial“ in dieser Nation. Ein Volk, das bewusst beeinflusst wird, das gezielt von Wissen und Information aus der Außenwelt abgehalten wird und das mit einer Geschwindigkeit versucht, die „westliche Welt“ einzuholen, die kein Mensch vorher zu Gesicht bekommen hat, steht Prüfungen und Belastungen entgegen, die man sich bisher nicht vorstellen konnte. China bewegt sich mit rasenden Schritten Richtung 21. Jahrhundert, doch vertraut es auf ein System, das sich in vergangenen Jahrhunderten als ein System herausgestellt hat, das zwar von der Idee her positiv ist, aber von Menschen nicht tragbar scheint… Menschen bewusst zu manipulieren und mit Gesetzen und Regeln vom Fortschritt im gesellschaftlichen Sinne abzuhalten, lässt mich als Beobachter unwohl fühlen – ich möchte mir garnicht vorstellen, wie diejenigen sich fühlen, die die derzeitige Situation differenziert einschätzen können und in diesem Land wohnen. „Der Herr ist mein Hirte – das ist aber noch lange kein Grund, sich wie ein Schaf zu benehmen…“. Ich bin mal gespannt, wann die ersten ihre Schafspelze ablegen und anzuzweifeln beginnen, was ihnen als Wahrheit vorgelegt wird…

Kategorien: Auslandssemester Hong Kong

Lamma Island

November 19, 2007 · Kommentar schreiben

Am Samstag war mal wieder Beach-Zeit angesagt. Henrik und ich haben unsere sieben Sachen gepackt und es ging auf nach Lamma Island, denn hier sollte einer der schönsten Strände der Gegend sein (sagt mein Führer). Also, früh aus den Federn und ab auf die Fähre nach Lamma Island.

Lamma Island ist die drittgrößte Insel von Hong Kong und angeblich die grünste und abgelegenste. Ich schwärmte in Gedanken schon wieder von verlassenen Sandstränden, Isolation und grünen Urwaldabschnitten… Lantau Island hatte damals ja beinahe alle Versprechungen gehalten und wenn Lamma noch schöner sein sollte, na dann!
Die Überfahrt war eher unangenehm, denn der Dampfer war zu, auf 10°C runtergekühlt und nicht so hübsch wie die anderen Kähne, die ich hier bisher geritten bin. Aber zum Glück war das Inselchen nicht soooo weit weg, nach knapp 25 Minuten waren wir schon da und uns offenbarte sich eins der letzten Fischerdörfchen in Hong Kong:

 

War mal wieder „nicht ganz so schön“, wie ich mir das erhofft hab – da im Hintergrund ist übrigens HK Island… Aber anscheinend scheint sich eine meiner Feststellungen immer mehr zu bestätigen: HK-Chinesen haben absolut NICHTS für Ästhetik, Städtebau, Lebensqualität und „Schönheit“ übrig. Irgendwie ist hier alles verdammt effizient und funktioniert einigermaßen, aber auf alles ästhetische und Lebensqualität schenkende wird hier garkein Wert gelegt…

Stichwort effizient: Kinderarbet in Hong Kong, selbst die Jüngsten müssen hier mit anpacken (*Scherz*)… Hier eine europäische-Gastarbeitervogelscheuche:

Teilweise hat Lamma Island dann doch das erfüllt, was ich mir erhofft hatte: Die Insel war stellenweise verdammt grün, pro Quadratmeter standen hier mehr Bäum als in ganz HK Central zusammen:

Dennoch waren die Siedlungen, die sich auf dieser Insel wieder von Beton und unhübschen Häusern dominiert. HK-Chinesen scheinen eine Affinität zu Beton zu haben, denn alles, aber auch wirklich alles, was Menschen betreten können ist betoniert, eingezäunt und gefegt… Vielleicht spielt hier auch wieder der Effizienzgedanke eine Rolle. Nicht umsonst träumt der eine oder andere Deutsche von ner Waschbeton-Idylle anstelle des dauernd wachsenden Rasens, ne?

Der Strand war im Grunde „OK“ – nichts gegen Shek-O, der ist weiterhin ungeschlagen. Hier störten mehrere Dinge: Der viele Beton im Hintergrund, 30 kleine Chinesen, die laut brüllend jeden Stein am Strand ins Wasser werfen wollten und das schicke Kohlekraftwerk, dass hier direkt in die Natur gebombt wurde.

Ich hab mich anderweitig beschäftigt und nen bisl mit dem Kollegen hier gekämpft:

War ne kleine Local-Krabbe, die wohl dachte, dass ich sie direkt verspeisen würde. Wenn der gewusst hätte, dass ich trotz meiner nordischen Herkunft Fisch und alles andere Meeresgetier verschmähe, hätten wir bestimmt noch länger unsern Spass gehabt. Die Dinger sind verdammt schnell, hab noch nie so eine fixe Krabbe gesehen… Der kleine hier hat direkt nen Sprint ins Wasser hingelegt, als sich die Chance ergab :(

Auf dem Rückweg zeigten sich dann mal wieder die typischen Hong-Kong-Kontraste… Phantastisch grüne Idylle:

Leckeres Kraftwerk:

… ich frag mich immernoch, wie zum Teufel kann man in solche Idylle ein gigantisches Kohlekraftwerk bauen…? Ich versteh das nicht, aber Effizienz besiegt mal wieder Raison. Der Weg nach Yuen Shue Wan, dem Ort, an dem wir die Insel verlassen wollten, war voll mit Chinesen, die hier ne kleine Auszeit von der Stadt nahmen… War ziemlich voll – lag wahrscheinlich am guten Wetter und daran, dass Samstag war :) !

Unsere kleine Wanderung endete in nem weiteren Fischerdorf, was wiedermal einfach hässlich war. Sorry, aber maritime Idylle kenn ich anders:

Naja, ich werd wohl meinen nächsten Ausflug wieder nach Shek-O machen müssen, denn der „schönste Strand der Insel“ konnte bei weitem nicht das halten, was mir Shek-O gezeigt hat. Aber halb so wild, Shek-O ist sowieso einfacher zu erreichen, ne? Aber erstmal steht ne weitere Woche Uni an, vielleicht hält das Wetter noch bis zum Wochenende… Heute war’s echt mal verhältnismäßig kalt. Es war der erste Tag, wo es drinnen wärmer war als draußen. Entweder sind alle Klimaanlagen in der Uni ausgefallen, oder die kamen einfach nicht mehr hinterher…

Egal – Mittwoch ist auch noch gutes Wetter angesagt und da hab ich eh frei… Mal schauen, was die Temperatur dann sagt :) !

Kategorien: Auslandssemester Hong Kong

Shenzhen

November 14, 2007 · Kommentar schreiben

Mein zweiter Trip in Richtung „Mainland China“ stand heute (Mittwoch) auf dem Zettel. Da heute eh keine Uni war, hatte ich mir vorgenommen, meine Weihnachtseinkäufe hier größtenteils zu erledigen: Die gesamte bucklige Verwandtschaft wird mit Gucci-Taschen eingedeckt :) ! Nein, so einfach hab ich mir’s dann doch nicht gemacht - und hier wird sowieso nichts verraten!

Shenzhen – DIE „Special Economic Zone“ Chinas – hat mich schon während meiner Schulzeit im Erdkundeunterricht verfolgt… Die Sonderverwaltungszone Shenzhen, liegt im Süden von China und hat folgendes Klima, blabla. Heute war Realität dran und es ging mit der KCR, einer Art Zwiddererscheinung aus Zug und U-Bahn von TST aus nach Lo Wu, der letzten Stadt vor der Chinesischen Grenze, von da sollte man angeblich nach China rüberlaufen können…

Ich war ein wenig skeptisch, denn selbst der „Lonely Planet“, der sich sonst bei jeder noch so kleinen Attraktion in Oden des Jubels überschlägt, hat Shenzhen eher „trocken“ beschrieben: „It’s true that Shenzhen has been a commercial success, but it remains a place without much culture or spirit.“ LÜGE!!!
Shenzhen hat ÜBERHAUPT keine Kultur und ÜBERHAUPT keinen „Spirit“. Wer bezahlt diese Reiseführerleute dafür, dass die alles schönreden und selbst dem letzten Flecken Erde was Positives abgewinnen können? Shenzhen war der absolute Oberdreck und einfach ununterbrochen furchtbar!!! Ich hab in meinem ganzen Leben noch nie, nie,niiiiiieeeee eine Stadt gesehen, die so charakterlos und langweilig war wie Shenzhen! Es war mehr oder weniger eine Ansammlung von Straßen, Häusern, Ramsch-Läden und Baustellen – aber Stadt? Nein – das wäre definitiv ein Euphemismus.

Ich bin ja so erzogen, dass ich es absolut gewöhnt bin, in jeder Stadt, die ich besuche, erstmal einen kleinen Sightseeing-Abstecher zu machen… Auch das wollte ich in Shenzhen nicht verpassen. Also, ab in Richtung Norden (nen Stadtzentrum schien es nicht zu geben…). Aber leider hat sich mir auf meinem 2-stündigen Walk absolut nichts dargeboten! Es gab einfach NADA, was interessant war! Wirklich absolut nichts. Das einzig interessante war wohl ich, denn hier habe ich mich wirklich wie ein „Laowai“ (chinesich für „weißer Geist“) gefühlt. Die Leute haben mich sowas von angestarrt… Anscheinend verirren sich nicht viele Touris in dieser Stadt – das Gros scheint direkt in die Mall zu gehen, die sich an den Bahnhof anschließt… Zum Glück bin ich ein großer böser weißer Geist – ich hatte an einigen Stellen schon das Gefühl, dass mich 1. keiner verstehen würde, wenn ich um Hilfe schreien müsste und 2. die Straßen ab und zu recht unheimlich waren.

Heeeeeeeefffeeee! Ab in die Mall, ich hatte genug von diesen unfassbaren Kulturreliquien Chinas und musste dringend noch meine Erledigungen machen. Also ging es ab in die 6-stöckige Mall. Von China, bzw. Beijing, war ich ja eigentlich nur Positives gewohnt – gute „Fake“-Qualität zu vernünftigen Preisen… War zwar auch dort sehr stressig, aber es hatte sich jedenfalls gelohnt. Was mich in Shenzhen erwartete war aber heftig. Wenn die Hölle einen Markt für falsche Taschen, Sonnenbrillen und Uhren hat, dann sieht der bestimmt haargenau aus wie die Luohu Commercial City. Definitiv…
„Wanna buy watch, sunglasses, MP4-Player?“ – dieser Satz erwartete mich alle 4-5 Meter -an jedem Shop, in 50 verschiedenen Betonungen und Akzenten. Überall, von allen Seiten. Grauenvoll!! Und dabei bin ich einiges gewohnt – immerhin hab ich schon Tunesien, Israel, Saudi-Arabien und Chinatown (N.Y.C.) überstanden. Aber dieses Shopping-Gedöns hier in Shenzhen toppte alles: Kettenrauchende Verkäufer (gibts in Hong Kong nirgendswo), laute Musik, tausende Shops und unglaublich aufdringliche Verkäufer… Wirklich nicht meine Welt. Ich hab mich schnell mit der neuesten Hehlerware auf dem Kinomarkt eingedeckt und wollte dann noch schick was für die Mami einkaufen. Die anvisierten Artikel entsprachen aber nicht meinen Qualitätsvorstellungen, so dass ich dankend ablehnte. Das aber hatte ein kleiner netter Chinese hinter mir mitbekommen und fragte mich prompt, ob ich nicht Interesse an „A-Quality“ hätte… Ich natürlich: Klar – warum nicht! Wo denn?

 Und da war mal wieder der Knackpunkt…: „In my warehouse, just around the corner“. Ich weiß nicht mehr genau, welche Ecke der gute Mann meinte, aber nachdem ich 10 Minuten durch die Stadt gerannt war (aus der Mall raus, versteht sich…), kamen wir endlich an einem Hochhaus an. Das sah mir eher nach Schlachthaus aus (gekachelte Wände, etc.) und nachdem wir mit dem Aufzug in den 7. Stock und dann mit der Treppe runter in den 6. gegangen waren, kamen mir auf einmal wieder die Gedanken von unfreiwilligen Organspendern in den Kopf… Hilfe! Aber egal, was tut man nicht alles für ein frohes Fest, ne?!
Am Ende eines langen Ganges offenbarte sich mir dann das „warehouse“: Doppelte Tür, Guckloch und Vorhang mussten durchquert werden – the police is watching… Aha – die Chinesen bekommen also so langsam von Herrn Gucci und Frau Versace auf die Finger… Dieses „warehouse“ war eigentlich mehr ne 1-Zimmerwohnung, die randvoll mit Taschen, Uhren, Sonnenbrillen und anderem Gedöns war. Überall gefakte Markenartikel – rappelvoll die Butze. Ich hab dann auch glücklicherweise meine Sachen gefunden und konnte beginnen, zu handeln. 2.200 HK$ war der Start – immerhin 220 Euronen! Und das für Fake-Artikel… Unfassbar, ich hab erstmal herzlich gelacht. Aber nach einer heftigen Diskussion und 15 Minuten bin ich dann doch sehr froh und um wenig Geld erleichtert aus dem Warehouse (lebendig) rausgekommen. Ca. 1/6 des vorgeschlagenen Preises halte ich für einen Erfolg. Ich wurde übrigens als sehr anstrengend und konsequent beschimpft. seee Jermäns halt :)

Meine Füße tun unglaublich weh und ich freu mich gerade, dass ich schön baden konnte und jetzt gestriegelt im Bett liege, um mir einen der 9 Filmchen anzugucken, die ich mir für’n Euro das Stück ergaunert habe… Ach, wie schön kann das Leben in Hong Kong doch sein – es geht irgendwie immer schlimmer, oder?

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Shek-O!!!

November 14, 2007 · Kommentar schreiben

Bis Freitag dachte ich ja, dass ich diesen Ort am 16.12.2007 im Zustand einer ernsthaften geistigen Verwirrung verlassen würde, doch seitdem ich diese Oase der Ruhe, diesen letzten Flecken Natur in Hong Kong entdeckt habe, gehts mir um Längen besser – jedenfalls, wenn ich dort am Strand liege…
Nachdem ich Samstag und Sonntag schon dort war, hab ich mich heute entgegen meiner Universitären Verpflichtungen (ein nutzloser Kurs weniger, yippie) entschieden, nochmal nach Shek-O zu fahren, denn die Entspannung tut mir sichtlich gut und gebräunt im verregneten Germany anzukommen kommt auch sehr gut :)

Heute standen die Chancen auf einen sonnigen und warmen Tag nämlich sehr gut, wie man sieht:

Direkt vor meiner Haustür begegnet mir ein Chinese mit Jacke, langer Hose und Regenschirm (aufgespannt). Das kann nur eins heißen: Sonne, Sonne und noch mehr Sonne! Also, ab gings in die U-Bahn, direkt nach Shau Kei Wan und dann mit dem Bus weiter nach Shek-O:

Shau Kei Wan scheint einem nochmal kurz deutlich zu machen, was man hinter sich lässt, um das „Tal“ von Shek-O umso schöner erscheinen zu lassen…

(Wie man so ein Foto mit Selbstauslöser macht… :) Hah, da kannste mal sehen…! Nein – ich gebs zu, das ist alt und das hat Henrik geschossen!)

Nach einem kleinen Lunch hab ich mir dann schön 4 Stunden die Sonne auf den Pelz brennen lassen und einen seeeeehr angenehmen Tag gehabt. Zurück gings dann um 5 und irgendwie habe ich eine neue Hong Kong-Sportart entdeckt: „Wir versuchen konstant, die Außentemperatur drastisch zu unterbieten…“ Denn im Bus kam ich mir vor wie Iglogemüse im Kühltransporter…. Brrr… Vielleicht ist das so ein Gimmick der Regierung, damit der Absatz von Wintermänteln doch noch einen Sinn hat?! In der U-Bahn wars auch entsprechend fröstelig. Aber wenn man schonmal im Zeitalter der knappen Energiereserven ist, sind 16°C doch noch human, oder? Immerhin wäre man doch bestimmt in der Lage, Eiskristalle zu produzieren…

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O, Shek!

November 11, 2007 · 1 Kommentar

Äääähh, quatsch: Oh, Schreck!

Hong Kong ist mir die ganze Woche so auf den Zeiger gegangen, dass ich mich entgegen meiner Pläne (Shenzhen-Shopping) entschieden habe, am Samstag an den Strand zu fahren, denn das Wetter spielte mit: 25°C und Sunshine, Baby!

Dementsprechend gings mit Henrik ab nach Shek-O. Treffpunkt 11:30Uhr Caine Restaurant, erstmal was essen und entscheiden, wo es überhaupt hingehen soll. Das war aber nicht schwer, denn diese Beschreibung war einfach zu verlockend: „… das letzte Dorf in Hong Kong, einer der schönsten Strände der Insel.“ Das war wirklich nicht schwer… Also, erstml ab in die Drogerie, Sonnencreme kaufen. Und was da in den Regalen stand, hat mich erstmal umgehauen: Lichtschutzfaktor 135 (!). Kein Scheiss! Ich nenn die ab jetzt LSF ‘MJ’, denn Michael Jackson wäre bestimmt stolz auf diese Abart von Sonnenschutz… Da wird man doch weißer als vorher und kann trotzdem an den Strand – genial! Egal – ich hab die Damen erstmal gefragt, wo denn Sonnenschutz für Normalsterbliche stehen würde – und siehe da, es gab wirklich noch ne 15er, was in Deutschland schon ab und zu „Sunblock“ heißt ;)

So, danach gings ab in die U-Bahn (ja, mann kann mit der U-Bahn an den Strand fahren…) in Richtung Shau Kei Wan. So weit war ich bisher noch nie in Richtung Osten gefahren, aber Shek-O, der anvisierte Strand lag sogar noch 20 Bus-Minuten weiter Süd-Östlich. Glücklicherweise waren Bus & U-Bahn relativ leer, denn sobald die offizielle Badesaison (Ende Oktober) vorbei ist, geht der Chinese nicht mehr an den Strand. Schal und Regenjacke werden rausgeholt und unabhängg von Außentemperaturen umgelegt - es ist ja schließlich Herbst und mein Kalender sagt November! So ähnlich stell ich mir das vor. Ich kam mir jedenfalls ziemlich bescheuert vor, als ich mit FlipFlops, Badeshorts und T-Shirt Menschen in Trenchcoat, Regenjacke und Schal gegenübersaß – aber egal: Für mich bleiben 25°C und Sonne eben 25°C und Sonne, egal ob November oder Juli. Das gute daran war, dass der Strand wirklich human voll war, denn nur ein paar Expats und wenige, lebensmüde Chinesen (aaahhh!!! Sonnenstrahlen ohne Regenschirm und Mega-Sonnenhut!!!) bevölkerten den Strand:

Ahhh – das war genau das richtige. Ein totaler Kontrast zum sonstigen Hong Kong: Ruhe, frische Luft und wenig Menschen. Wie gut einem das tun kann… Man hatte beinahe das Gefühl, in einer anderen Welt zu sein, nachdem man die Smog-Glocke hinter sich gelassen hatte und frische Seeluft atmen konnte…

Das war so entspannend, dass wir es dem Kollegen hier direkt nachgemacht haben und uns entspannt in die Sonne gelegt haben…

Hach, war das schöööön. Der Strand war echt die Bombe - entspannt leise, riesen Wetter und Wasser mit vernünftigem Wellengang – was will man mehr. Und gleichzeitig haben die 2 hier richtig für Ordnung gesorgt: Putzkolonne, Modell „Lampenschirm“ :)

Nachdem wir dann 3 Stunden in der Sonne gebraten hatten, wollten Henrik und ich nochmal das „letzte Dorf“ erkunden… Das war dann wie erwartet doch nicht sooo schön wie angekündigt, aber irgendwie erinnerte einen das eher an Lloret de Mar oder Mini-Rimini, denn architektonisch ansehnlich war hier mal wieder wenig. Umso ansehnlicher war aber die Halbinsel, die wir gleich noch erklommen:

Siehe da, es scheint doch noch Leute zu geben, die auf abgeschiedene Idylle wert legen und überraschender Weise Sinn für Ästhetik und Optik zu haben scheinen…

Kurz darauf ging auch schon wieder nach Hause, die Brandung grüßt:

Wenn man sich diesen Flecken Erde anschaut, kommt man schwer ins Grübeln… Mir sind fast die Tränen gekommen, denn die Kontraste sind so riesig. Man stelle sich mal vor, dass die ganze riesige Insel „HK Island“ einmal so ausgesehen haben muss. Von vorne bis hinten – mit steilen Bergen, schönen Stränden, Wäldern und Wiesen, Flora und Fauna und was man sonst noch so alles möchte… Es muss vor vielen Jahren mal wirklich erträglich gewesen sein. Bis zu dem Tage, andem ein Haufen Verrückter auf die Idee gekommen ist, dass Beton schicker als Urwald und gekachelte Promenaden schöner als Sandstrände sind…
Eigentlich war ich nie Naturfreund, aber dieser Kontrast zeigt einem auf drastische Art und Weise, was man alles falsch machen kann und wie man einen wundervollen Flecken Erde in einen stinkenden, hässlichen und lauten Moloch verwandeln kann, nur um den vermeintlichen Weg zum Erfolg möglichst schnell zu erreichen – ohne Rücksicht auf Natur, Kultur und Mensch.

Aber, nichtsdestotrotz hieß es: „Zurück in die Zivilisation“…:

Den Rückweg sind wir dann auf traditionelle Art und Weise angegangen: Mit der Tram. Die fährt nämlich seit 100 Jahren quer durch Hong Kong. Hat zwar anderthalb Stunden gedauert, war aber schön und eindrucksvoll. Denn diesen Teil von Hong Kong hatte ich vorher noch nicht gesehen… War aber auch nicht wirklich schlimm: Der einzige Unterschied war irgendwie, dass hier die Häuser nicht pastellfarben, sondern weiß (bzw. grau) waren… Naja, es lebe die Kreativität.

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Frauen und Kinder zuerst!

November 8, 2007 · 1 Kommentar

Nein, das schifft sinkt nicht – aber es verlässt den Hafen etwas früher Richtung Heimat. Die Entscheidung fiel nicht schwer, meine Pflichtzeit hier in Hong Kong endet etwas früher als erwartet und dementsprechend flieg ich direkt 24 Stunden später ab. Emirates Airline war so freundlich, meinen Flug kostenlos auf den 16.12.2007, 00:35 Uhr zu verlegen. 7 Tage scheinen nicht viel zu sein, doch 7 Tage machen mir momentan sehr viel aus. 7 Tage früher zurück, 7 Tage mehr Ruhe, 7 Tage mehr Schlaf, 7 Tage mehr gutes Essen :) ! Hört sich herrlich an… Vor allem, wenn ich bedenke, dass mein ursprünglicher Flug umgelegt wurde und nun Hong Kong-Bangkok-Dubai-Hamburg geflogen wäre… Dass sowas möglich ist, wusste ich auch noch nicht, aber ich bin froh, dass ich diese Bummelbahn-Reise nich hinter mich bringen muss – das Teil hält ja fast in jedem Kuhdorf aufm Weg! Unfassbar…

Was Hong Kong angeht: Nein, es ist zu früh, ein Schlusswort zu schreiben – dafür bin ich noch nicht nah genug am Ende. 37 Tage trennen mich noch von Flugzeug und Heimat. Aber allein der Fakt, dass ich seit der 2. Woche hier ein DINA4-Blatt mit Tagescountdown führe, sagt genug aus, denke ich. Hong Kong und ich wurden nie Freunde und selbst die Zweckbeziehung hat einfach nicht funktioniert. Wir werden uns wohl wegen „unüberbrückbarer Differenzen“ wieder trennen müssen, Gütertrennung gibts nicht – ich lass höchstens meine Handtücher hier und mein Besteck und vielleicht meine schicke Schüssel! Hah – mehr gibt’s nicht…

Nein. Der mag das gerade garnicht. Wenn ich ein Gedanke wäre, würde ich eher denken: „Oh, Scheiße, schnell raus hier…!“

Aber: Ich kann sagen, dass ich es versucht habe. Ich habe mehrere tiefe Tiefs durchlebt, hab mich mehrfach wieder aufgerafft und habs letztendlich doch nicht geschafft, in Hong Kong „anzukommen“. Es war, als wenn man Duplo- und Legosteine miteinander verbinden wollte und es einfach nicht klappen wollte. Der Kleber hat zwar kurze Zeit gehalten, „solide“ war die Geschichte aber von Vornerein nicht. Ich kann es nur wiederholen: Hong Kong ist und bleibt ein Abenteuer für mich, die Uni war die größte Enttäuschung und die Stadt ist mir einfach zu anstrengend und zu fremd, von den Menschen ganz zu schweigen. Das alles soll nicht abfällig klingen, es ist letztendlich nur meine subjektive Meinung. Doch um in Hong Kong mehr schönes als schlechtes zu finden, muss man wirklich schon die Toleranzbrille aufsetzen. Ich bin zu wenig Chamäleon, um mit dieser Welt zu verschwimmen – ich fühl mich immernoch wie ein Karnickel im Meerschweinchenstall. Es gibt definitiv schönere Orte auf dieser Welt…

Aber das hier soll ja auch kein Reiseführer sein! Und es soll auch keinen davon abhalten, Hong Kong zu besuchen. Vielleicht dient es ja irgendwann als „Orientierungshilfe“ für andere (obwohl ich bei den Suchbegriffen, mit denen Leute auf meiner Seite landen, doch etwas stutzig werde…). Mein Reiseführer würde ungefähr so beginnen:

Hong Kong Airport. Ein Wunderwert der Technik – der wahrscheinlich schönte und beste Flughafen der Welt erstreckt sich vor Ihren Füßen. Noch ärgern Sie sich über das Gewicht Ihres Gepäcks, aber bald werden sich unsere Tipps auszahlen: Atemschutzmaske, professionelle Bau-Ohrschützer, Ihre Sammlung klassischer Entspannungsmusik und eine riesen-Ration Aspirin. Auf diesem Areal werden sie auch gleich Zeuge der größten kulinarischen Attraktion der Stadt, die Sie komischerweise NUR hier auf dem Flughafen finden werden: Burger King. :)

Nein…. Ich sollte ein anderes Business wählen…

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