Hong Kong 2007

Beiträge vom September 2007

Culture Shock 2.0

September 27, 2007 · Kommentar schreiben

Hey – Moment mal… Bevor ich hier mit wehenden Fahnen untergehe und auch wenn mir die „lebensnotwendigen“ Grundvoraussetzungen wie Essen und Schlafen schwer fallen, bzw. schwergemacht werden – warum aufgeben? Hong Kong bleibt Hong Kong - Asien bleibt Asien und Europa Europa. Dass man in so einem neuen Umfeld einen Kulturschock bekommt, ist denke ich ebenso normal. Und die Leute, die damit direkt klarkommen – oh, well lucky you! Aber bei mir dauert das halt ein bisschen – vielleicht sollt ich mir selbst einfach ein bisschen Zeit geben? Shit – sicherlich wünsche ich mir an 6 von 7 Tagen, dass ich nach Spanien oder Australien oder sonstwo gegangen wäre, doch am 7. Tag bin ich doch irgendwie stolz. In nicht mal mehr 90 Tagen kann ich sagen: Ich habe in Hong Kong gelebt und überlebt :) . Ich hab meinen verwöhnten europäischen Hintern tief in die Scheiße gesetzt und bin nicht erstickt und nicht stecken geblieben. Phoenix aus dem Scheißhaufen ist zwar keine schöne Metapher, aber dabei bleibts jetzt erstmal, denn „Asche“ hat ja schon wieder was reinigendes und schönes, höhö…

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Point of No Return?

September 27, 2007 · Kommentar schreiben

Wann ist dieser Punkt wohl erreicht? Bis wann sollte man sich alle Möglichkeiten offenhalten, um schlimmeres zu verhindern? Gute Frage, kann ich mir gerade auch nicht beantworten… Ist dieser Punkt überschritten, wenn man sich nach tonnenweise Einsatz, Papierkram und Arbeit bewirbt? Wenn man als einer von wenigen angenommen wird? Wenn man losgeflogen ist? Wenn man die Hälfte der Zeit hinter sich gebracht hat? Kein Ahnung, aber momentan wünsche ich mir manchmal, dass ich diesen Punkt noch nicht hinter mich gebracht habe…
Denn, auch wenn es verdammt nochmal negativ klingt, Hong Kong macht micht momentan echt fertig. 27.09.2007, knapp 6 Wochen bin ich hier und es „funkt“ einfach nicht zwischen mir und Asias World City. Momentan geht mir einfach alles auf die Nerven, die Chinesen, die Stadt, die Uni, das Essen (?) und, und, und… Und das hat nichts mit fehlender Offenheit oder Intoleranz zu tun – manchmal passen Bausteine einfach nicht zusammen.

Aber ich gebe mich und dieses Abenteuer nicht auf. Soweit soll es nicht kommen: Was uns nicht umbringt, macht uns nur härter – und noch bin ich nicht tot. OK, das klingt jetzt zu dramatisch… Ich hab mir nen Termin bei nem Akupunkteur geben lassen, „Paine“ heißt der Mann – ich hoffe nicht, dass der Name Programm ist (AUa!). Und dann kommt morgen Caro – und wenn dann nicht im gesamten Land die Sonne aufgeht, dann weiß ich auch nicht ;) !

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Unten angekommen…

September 26, 2007 · Kommentar schreiben

Und das in vielerlei Hinsicht… Gestern war der Tag vor dem sagenumwobenenen „Lantern-Festival“, dem Tag vor dem traditionell chinesischen „Mid-Autumn-Festival“. An besagtem Abend sollte im Victoria Park ein großes Laternen-Spektakel-Volksfest abgehalten werden. Ganz Hong Kong hatte nämlich am Mittwoch frei und so bereiteten wir uns auf einen eindrucksvollen, traditionell-chinesischen Abend vor: Romantik, chinesische Musik, viele bunte Laternen und irgendwie ein gemütliches Park-Feeling schwebten mir so vor.

Die Truppe des Tages: Henrik (D) und Sebastian (SWE) begleiteten mich. Den Sebastian muss man gesehen haben – ein Typ wie eine LSD-Pille, wie Speedy Gonzales auf Extasy… Komplett durchgeknallt aber irgendwie dadurch schon wieder komisch. Ein blonder, blauäugiger Schwede, der alles und jeden anlabert, tanzend durch die U-Bahn läuft und ununterbrochen redet – echt mal witzig, vor allem, wenn man sich vorstellt, dass der Knabe dank eines 1-jährigen Aufenthalts in China recht gut Mandarin spricht!
Diese Truppe machte sich dann auf den Weg zum Victoria Park – ich versuch das ganze mal „sachlich“ zu beschreiben, soll ja nicht so negativ klingen, ne ;) !? Also: Der „Park“ war insofern Park, als dass er grün war - jedoch waren weit und breit keine Pflanzen zu sehen… Das einzige grüne an diesem Park war der grün angemalte Betonfußboden, der sich über die Größe von 4 Fussballfeldern zwischen Hochhäusern erstreckte. Soviel zum Thema Park-Feeling mit romantischer Laternenatmosphäre… Getoppt wurde das ganze durch geschätzt 5 Millionen Chinesen, die wie elektrisisiert über den Platz liefen, grauenhafter Musik (ich hab das dokumentiert – per Video ;) …) und der Hauptattraktion des Abends: Einer aufblasbaren Cola-Dose. Ohne Witz – das Teil war auf dem taghell erleuchteten Platz der Main-Event…

Grausam! Raus hier! Fluxx zurück und ab nach WanChai, denn da wollten wir noch ein kleines Bierchen trinken… Wie üblich nahmen wir dieses im ortsansässigen 7/11 zu uns (ne Mischung aus Tankstelle ohne Tankstelle und Kiosk). Da isses nämlich billig und man trifft alles und jeden. Das beste an diesem Mal waren zwei 50-jährige Afghanen aus Khandahar. Die standen dort seelenruhig in der Ecke und tranken Rotwein mit Cream-Soda (komische Kombi, ich weiß…). Doch ganz ehrlich: Die Jungs waren mega-witzig und haben eine Schote nach der anderen erzählt. Wie kommen Afghanen nach Hong Kong? Gute Frage, aber irgendwie kann das kaum einer beantworten, der hier wirklich lebt. Ich hab das Gefühl, dass diejenigen, die hier wirklich „wohnen“ (Expats) alles Renegades sind, die mehr oder weniger verbrannte Erde zurückgelassen haben und einen Neubeginn starten wollen (diejenigen, die aus finanziellen Gründen hier sind, schließ ich mal aus…). Doch Qauzi (der ältere von beiden) merkte ganz trefflich an: „In Hong Kong, everybody is a stranger…“.

Nach diesen schwerwiegenden Neuigkeiten wollte der jüngere von beiden unbedingt mit uns in einem geilen Club um die Ecke. „Neptune’s“ hieß der Schuppen und der Eingang verhieß schon nichts gutes… Doch was sich uns im Inneren darbot, war unglaublich, unfassbar und einmalig. Man stelle sich 20% 50-jährige Geschäftsreisende, nen Haufen Engländer und 75% 1,50m-große Phillipinas und Thais vor, die auf eine ganz seltsame Art und Weise „tanzten“… So etwas hab ich in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen… Lauter Typen, die Frauen angraben, die aussehen wie Kinder, Figuren von 13-jährigen haben, mehr Silikon als ganz Silicon Valley bei sich tragen und Blicke in die Menge werfen, die absolut erschreckend sind. Für viele mag das das Paradies sein, aber mich hat das ganze einfach nur entsetzt. Männliche Vorlieben und weibliche Käuflichkeit auf die Spitze getrieben, ungeniert und volles Rohr, ziemlich krass.

Das ganze war uns allen „etwas“ zu viel und irgendwie hatten wir Sorgen, dort nicht lebend rauszukommen – ich glaub, dass alle Krankheiten, die es auf dieser Welt gibt, sich in diesem Raum versammelt hatten und nur darauf gewartet haben, gegen Kleingeld übertragen zu werden… HILFE!!! RAUS HIER!!! Aaaaahhhhhhh…

Schnell ins Taxi, auf nach Central, Freunde treffen und was vernünftiges machen. Dieses Gruselkabinett und die Afghanische Volksfront waren momentan einfach genug für mich. Glücklicherweise endete der Abend recht entspannt im LKF Hotel und im „drop“, nem Szeneklub, so dass wir dann doch noch auf unsere Kosten kamen.

–> Ich kann immernoch keine Fotos hochladen, aber ich versuchs mal:

http://hongkong2007.files.wordpress.com/2007/09/hong-kong-16-010.JPG

http://hongkong2007.files.wordpress.com/2007/09/hong-kong-16-026.JPG

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A Band of Brothers…

September 24, 2007 · 1 Kommentar

Nachdem der Tag heute etwas miserabel gestartet war, stand heute das 1. Midterm-Exam an, International Finance – das Fach, indem der Professor auf 90% aller Fragen mit folgendem Satz antwortet: „I don’t know…!“. Ich war gespannt und frühmorgens etwas deprimiert, denn Hong Kong war nass, von oben bis unten. Und wer sich bei 31°C und 90% Luftfeuchtigkeit und Dauerregen an alte Nivea-Werbung erinnert fühlt (Stichwort: „Ein warmer Sommerregen…“), der liegt hier falsch – denn das ist einfach mal eklig und bääähhhh. Vor allem, wenn die ganze Stadt um 10 Uhr morgens dunkel wird, weil sich der Himmel zuzieht…

Naja, es ging dennoch ab in die Uni, Henrik, der mittlerweile gegenüber wohnt kam auch direkt mit. Nach einer kleinen Lern-Session (Henrik kam direkt aus Peking ;) ) gings dann gegen 4 endlich los. Ein Hörsaal voll bis zum Rand mit kleinen, gelben Lern- & Reproduktionsmaschinen und wir mitten drin. Zum Glück konnten wir uns schön nebeneinander setzen, wir haben sogar noch einen dritten Deutschen gefunden! Hah! Ein „Band of Brothers“, ein Riege von Brüdern im akademischen Schlachtfeld stellt sich der übermenschlichen Armee von Zitronenfaltern und kämpft bis zum bitteren Ende Seite an Seite! Solidarität unter Leidensgenossen – so haben wir das gerne :) ! Denkste – die Achse des Bösen schien direkt zwichen mir und Frankfurt am Main zu verlaufen, denn unsere neue Bekanntschaft weigerte sich doch allen ernstes, mit uns zu kooperieren! Unfassbar, wo gibts denn sowas? Das hab ich das letzte Mal im Kindergarten erlebt…
Naja, war nicht ganz so schlimm, das Midterm konnten wir fein zusammen lösen und unser Wissen reichte durchaus aus, um nach 20 Minuten fertig zu sein… Und das bei angesetzten 45. Hah! Soviel zum Thema Reproduktionsmaschinen, wir lernen in Deutschland anscheinend doch nicht sooo wenig… Aber wir wollen das ganze mal nicht überbewerten – das war erst Nr.1 von 3 und das Niveau wird sich sicherlich steigern!

Aber es war zumindest ein kleiner Lichtblick – vor allem vor dem Hintergrund, dass es hier die ganze Woche regnen soll (Doofer Taifun, was will der hier in Hong Kong?)… Mal schauen, ich wollte eigentlich nen paar Fotos reinstellen, aber mein flickr-Account gibt mir erst am 1.10. wieder neuen Webspace. Tücken der Technik halt…

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Gateway to…

September 22, 2007 · Kommentar schreiben

Ein Monat ist rum, 3 Monate liegen noch vor mir… Die Frage, ob „schon“ ein Monat rum ist, oder „erst“ ein Monat, lässt sich noch nicht beantworten, denn auch heute fühlt sich Hong Kong nicht so an, wie ich es mir erwünscht oder vorgestellt hab. Doch selbst diese Feststellung heißt momentan nichts schlechtes… Denn vielleicht bin ich einfach mit den falschen Erwartungen hergekommen! Denn nicht jedes Ausladssemester heißt Urlaub, Erholung und Spaß. Ich hab damals wohl in meine Überlegungen folgenden Fakt wohl nicht mit einbezogen: Ich befinde mich im Epizentrum des Weltgeschehens, am „gateway to China“, direkt am derzeit lautesten Pulsschlag dieser Erde… Und ganz platt: „Wo gehobelt wird, fallen Späne“…

Hong Kong wird aber von Tag zu Tag eindrucksvoller und interessanter – sicherlich an der einen oder anderen Stelle auch etwas „zu viel“, aber das gehört dazu, oder? Ich finde mich momentan eher in der Rolle eines Beobachters wieder – jeder Tag, jede Woche bringt neue Erfahrungen und neue Eindrücke. China ansich wird sich mir noch eröffnen: Ich hab nämlich vorgestern einen Flug nach Beijing gebucht: Noch mehr Chinesen, noch mehr China und noch mehr ??? Keine Ahnung, aber das musste einfach sein – man kann ja nicht nach China fliegen, ohne nicht jedenfalls die Hauptstadt zu sehen, oder? 16. Oktober gehts los, aber vorher – ganz im Sinne einer großen kommunistischen Nation – stehen noch einige Behördengänge an, um Einreise und Aufenthalt auch zu ermöglichen… Aber ich bin schon gespannt: Ein Abenteur im Abenteuer.

Aber vielleicht relativiert das ja meine Eindrücke von Hong Kong, denn Beijing ist wirklich China – 100%, durch und durch. Hong Kong und seine Menschen verwundern mich immer wieder – irgendwie kommen mir die Einwohner dieser Stadt wie 7 Millionen kleine Hamster in einem riesigen Laufrad vor. Ich hab noch nie in so viele leere und ausdruckslose Gesichter geguckt, die nur eins im Kopf hatten: Funktioniere! Die Lebenseinstellung der HK-Chinesen ist eine vollkommen andere, als das, was wir als Europäer derzeit kennen. Das Individuum, der Mensch an sich, spielt hier – soweit ich das erfahren habe – eine ganz untergeordnete Rolle. Die Gemeinschaft und das „große Ganze“ stehen hier im Vordergrund. Woher dieser Einfluss kommt, hat sich mir noch nicht ganz erschlossen, doch ich denke, dass auch die kommunistischen Einflüsse  aus China und vielleicht die gemeinsame Vergangenheit dafür verantwortlich sind. Wodurch zeigt sich mir das? Hmm…. schwer zu sagen, aber viele kleine Indizien weisen tagtäglich darauf hin: Das brave in der Reihe stehen, wo es auch nur geht, die viel zu sauberen Straßen, die fehlenden Graffiti, die tausenen Warnhinweise („Please mind your head“,“Mind the gap“, „Hold the handrail“…), der geregelte Verkehr, der Unterricht an der Uni, die Art zu lenen und und und… Schwer zu beschreiben, aber eine ganz neue Erfahrung.

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Liebe Gemeinde…

September 20, 2007 · Kommentar schreiben

Whaoo… Über 1000 Mal wurde meine persönliche Seelen-Prostitutionsseite bisher besucht. Das ist phantastisch, rekordverdächtig und erstaunlich! Ich hätte nicht gedacht, dass mein persönliches Tagebuch sooo viel Interesse erzeugt. Aber wieso nicht? Ich freu mich über jeden Kommentar und jede Mail. Aber eins muss ich klarstellen: Ich sterbe nicht. Nein – das kommt einfach falsch rüber… Vielleicht sollte ich etwas an meinem Schreibstil arbeiten, oder einfach drauf achten, Gedanken nicht ungefiltert in Sätze zu sperren!? Nein, dann wär’s ja alles nur noch halb so interessant! Carry Bradshaw wär auch nicht berühmt geworden, hätte sie „Sex and the City“ mit nem Blatt vorm Mund veröffentlicht ;) …!

Das besondere an meinem Aufenthalt hier ist einfach alles – alles ist neu, ungewohnt, verrückt und gewöhnungsbedürftig – aber ganz bestimmt nicht „schlecht“. Ich hab’s ja schon mehrfach angedeutet: Wär ich in Amerika, Australien, Europa oder sonstwo, wo die Kontraste nicht so offensichtlich wären, würden viele kleine Probleme einfach nicht existieren. Doch genau darin liegt ja der größte Bonus, glaube ich… Damals hab ich mich für Hong Kong entschieden, weil es der „verrückteste Ort ist, an dem Englisch gesprochen wird“ (Zitat Ende…). Jeder Tag hier in Hong Kong ist eine Erfahrung, jedes Erlebnis ist ein Schritt nach vorne, ein Gramm Lebenserfahrung, ein Stück Persönlichkeit. Und die „Perspektive“ eines Studenten verstärkt diese Erfahrungen. Klar sehne ich mich oft nach Europa, nach vertrauten Menschen, Orten und Gerüchen, doch wird dieses Semester hier in Hong Kong wertvoller sein, als alles andere, was ich bisher erlebt habe – davon bin ich fest überzeugt. Doch verständlicher Weise gibt es viele Tage, an denen diese Informations- und Eindrucksflut einen sprichwörtlich überschwemmt.

Das Bild find ich super: Nimm mich an die Hand :) ! Das genau ist es, was ab und zu fehlt: Als Student und „Bewohner“ Hong Kongs ist man einfach ab und zu alleine und vieles wäre einfacher, wenn man die Eindrücke mit Menschen teilen könnte, die einem nahe stehen. Ein Praktikum hier wäre was komplett anderes. Man hat den ganzen Tag über was zu tun, kommt schnell in „gewohnte“ Tagesabläufe und kann abends machen, was man möchte – umgibt sich mit Menschen, die man kennt und verlässt selten die Spur. Das wäre definitiv meine 1. Wahl gewesen – hätte ich eine Wahl gehabt. Aber es geht darum, was zu lernen und das, was ich derzeit lerne und erfahre, steht in keinem Buch… No Way! In diesem Sinne: „Sure, Books Can Guide You – But Your Heart Defines You..!“

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Loud as a whisper, quiet like a lion’s roar

September 20, 2007 · 1 Kommentar

Hong Kong ist alles, aber nie das, was man erwartet. Es gibt in dieser Stadt nichts, was es nicht gibt – und dementsprechend unheimlich viel zu entdecken und zu sehen. Gestern war das beste Beispiel: Pferderennen. Genau! Pferderennen in Hong Kong – in einer Stadt, wo weite unbebaute Flächen spärlich gesäht sind, in einer Stadt in der es mehr unebene und bergige Flächen gibt, als in der gesamten Schweiz (jetzt mal nur vom Gefühl her…). Aber es gibt es wirklich… Der beliebteste „Sport“ der HK-Chinesen, denn für mehrere hundert Jahre war dieses Spektakel die einzige Glücksspielgelegenheit in ganz Hong Kong und da die Chinesesn Glücksspiel-krank sind, ist das jeden Mittwoch ein riesen Event.

Wie jedes Mal, wenn man hier was neues erlebt, passiert einiges unverhofftes, bzw. unerwartetes… Ich hatte mich mit ner Gruppe HKU-Studenten verabredet und wollte eigentlich mitsamt Pass und langer Hose in die „Guest-Loge“ kommen – denn für Touristen gibt’s mit Reisepass und 100HK$ dort die Möglichkeit, das ganze von gaaaanz oben zu schauen. Also, ab gings, Reisepass gezückt und ab zur Loge. 1. Hürde: Kein Wechselgeld am Schalter, also schön zum nächsten Eingang und Kohle holen… Dann zurück zum Schalter, bezahlt, Ticket bekommen und ab in den 8. Stock. Dort angekommen gucken mich alle wie Autos an (was will der denn hier?), denn hier war „Members only“… Ich natürlich direkt: Klar bin ich Member (a.k.a.: „Mir gehört der Laden hier, was guckt ihr so ;) …?“), aber irgendwie funktionierte das ganze nicht sooo gut, denn seltsamerweise wollten die dort oben noch mal 380$ von mir, für’s Essen und Trinken. Essen – nöööö, will ich nicht, ich wollte nur die Rennen gucken. Ging natürlich nicht, also verwies man mich in den 6. Stock. Dort angekommen wurde ich noch verrückter angeguckt, denn da war Member’s only, aber nur Chinesisch. Also verstand mich keiner und es ging zurück zum Eingang… Nach 10 Minuten Diskussion hab ich dann auch meine Kohle wiederbekommen und mit den derzeit eingetroffenen HKU-Leuten gings dann in die „Public Area“ – hörte sich doch vielversprechend an. In Dortmund geht auch nur was, wenn man auf der Südtribüne steht, hehe…

Pferderennen: Definition in meinem derzeitigen Wortschatz: Ältere englisch Ladies mit riesen Hüten und ehrenwerte Herren mit Monokel. No Way, wir sind in Hong Kong! D.h.: Mc Donald’s, Bier und Wetten bis zum Umfallen. Das hier war ein Volksfest, voll mit Expats, Chinesen und ganz wenigen Touristen. Echt ne lustige Veranstaltung…. und alle waren am Wetten wie dieVerrückten. Durchschnittseinsatz bei einem (von acht!) Rennen: 12 Mio. HK$. Das muss man sich mal vorstellen, locker 1,2 Mio.€ werden hier alle 30 Minuten auf den Kopp gehauen… Ich persönlich hab mich zurückgehalten, meine 50HK$ hab ich wohl sprichwörtlich auf’s falsche Pferd gesetzt (Der Trainer hieß Ferrari – was kann da eigentlich schief laufen???).

Die ganze Szenerie war (mal wieder… ;) ) total Surreal. Ein riesen Stadion und eine Rennbahn, die mitten in der Stadt liegt. Ringsherum Hochhäuser – das sah einfach mal total verrückt aus!

Schon verrückt – aber man muss dagewesen sein, um das ganze zu verstehen. Schwer zu beschreiben, aber vor dem Hintergrund, dass man sich in einer riesen Metropole befindet, noch verrückter… Aber ganz ehrlich: Wir alle hatten riesen Spaß, ganz lustiger Event…

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Uuuuni

September 18, 2007 · Kommentar schreiben

Supiii, dritte Uni-Woche fängt gerade an und es ändert sich rein garnichts… Die Lecturer werden nicht besser im Englischen, die Chinesen wollen einfach nicht normal werden und irgendwie bleibt alles verwirrend. Ich wünsch mir manchmal, ich würd hier einfach nen Praktikum machen – dann wär der Eindruck bestimmt besser. Heute war’s wieder genial: Monetary Economics, ne Veranstaltung, die wahrscheinlich sogar in Deutschland angerechnet werden würde, sollte laut Aussage des Teachers „nicht mathematisch“ werden: Heute war die 3 Vorlesung in Folge, wo Wörter spärtlich gesäht waren und mathematische Herleitungen die Folien dominierten… Super. Verlogene Zitronenfalter!!!

Anschließend gabs das 2. Tutorial für die Veranstaltung – eigentlich ne super Einrichtung, denn Tutorials sind ja dazu da, den Stoff zu verstehen. Nöööö, nicht hier – hier wird was anderes gemacht! Warum denn den Stoff der Vorlesung behandeln? Super war auch die 1,40m-Tutorialleiterin, die auf meine 2 Fragen immer mit folgendem Satz geantwortet hat: „Yes.“… Mehr nicht! Ich glaub meine Vermutung bestätigt sich: Auf schwere Fragen wird hier grundsätzlich mit Ja geantwortet… Denn im nächste Satz hat die Alte direkt was anderes erklärt und sich im Grunde selbst wiedersprochen. Sie konnte nur genau das wiedergeben, was auf ihren Folien stand, bzw. was sie irgendwo gelesen hatte – Erklärung fehlanzeige, Denkvermögen: ausgefallen…

*Shit* – eine weitere Bestätigung dafür, dass der akademische Aspekt immer weiter in den Hintergrund gerät, es sei denn die Exams verlangen von mir, das Haus vom Nikolaus zu malen oder so. Das hätt ich dann noch drauf. Kein Plan, wie die Leute hier lernen oder sich vorbereiten… Ich glaub Chinesen haben einfach eine Gabe, wenn es ums Auswendiglernen und reproduzieren geht. Eins wird den Rest der Welt lange, laaaaange Zeit von Asien trennen: Innovation! Denn die steht in keinen Büchern, sondern die muss man sich selbst erarbeiten..! Hah! Deswegen wehren die sich auch so gegen Patentschutz ;) .

Zum Thema Chinesen an der Uni: No Way! Die werden von Tag zu Tag verrückter… Das krasseste ist das Essen. Ich hab in meinem ganzen Leben noh NIE so viele Leute so verdammt widerlich essen sehen. Es scheint so, als wenn die sich Mühe geben, möglichst abartig ihr Essen zu sich zu nehmen. Heftig! Man stelle sich vor, wie ein ganzer Hähnchenschenkel mit Stäbchen in den Mund befördert wird und dort mit seltsamen Bewegungen herumgedreht wird, ohne irgendwelches Werkzeug zu benutzen… Oder Nudeln: Super Dingen… Einfach mit den Stäbchen in den Mund und dann: Schlürfffff! Geil sind auch die „western style restaurants“ – dort gibts nämlich keine Stäbchen. Aber dann werden einfach Gabel und Messer als Stäbchen missbraucht – glaubt mir, das funktioniert…! Hmmm… als wenn einem der Geruch des Essens nicht genug Brechreiz bescheren würde…

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Sai Kung & Kiu Tsui Chau

September 17, 2007 · Kommentar schreiben

Heute war der Tag endlich gekommen – lange vorraus geplant und heute endlich in Angriff genommen: Eine Tour zu den „tausenden Inseln“ (Zitat als ich noch in Deutschland war…), die Hong Kong im Osten und Südosten vorgelagert sind. Sah auf der Karte und in meiner Vorstellung total nach Südsee, Einsamkeit, Entspannung und wundervoller Natur aus… Der Name war unsaussprechlich und normalerweise macht alls Unaussprechliche ja Spaß! Denkste, China wäre nicht China, wenn diese Idylle nicht mit Pastikflaschen, Ölfilm, Dieselmaschinen und Schmutz zugepflastert wäre – aber seht selbst:

Die Tour ging früh morgens los, ziemlich genau um 9:30 Uhr, Central MTR. Die U-Bahn haben wir dann auch knapp ne halbe Stunde Richtung Norden verfolgt, um dort einen Bus nach Sai Kung zu nehmen. Dem Vernehmen nach sollte es dort den einen oder anderen schönen Strand geben – und uns war allen sehr nach Strand – immerhin stressen Uni und Hong Kong doch schon. Nachdem wir nach ner 90-Minütigen Reise nun endlich angekommen waren, eröffnete sich uns Sai Kung – in meiner Vorstellung ein einsames Fischerdorf mit ländlichem Charme, doch natürlich habe ich mich auch dort getäuscht… Es präsentierte sich uns eine Plattenbausiedlung, die selbst Erich Honecker in Schamesröte getaucht hätte. Feinster Ost-Charme, gepaart mit billigen Fischrestaurants, ner heruntergekommenen Promenade und 10000000 Leuten. Irgendwie zählte dieser Ort trotz seiner Schönheitsmangel zu einem der „Go-to-Spots“ für Hong Kong’s Einwohner…

 

Egal, wir waren hier, um uns alleine zu fühlen und unsere Ruhe zu haben. Vorher mussten wir aber noch ne Kleinigkeit essen. Garicht mal sooo einfach, aber nachdem wir uns durch die zahlreichen Fischrestaurants gekämpft hatten, fanden wir doch noch was brauchbares.

Was witzig ist: In Hong Kong gilt Fisch nur als „frisch“, wenn er noch schwimmt. Dementsprechend hatte jedes Restaurant, das was von sich hielt, ein riesiges Aquarium mit allen denkbaren Fischarten vor der Tür. Und teilweise waren die kulinarischen Darbietungen GIGANTISCH groß: Ich hab das mal dokumentiert: Das Dingen hier war mindestens 1,80m lang. Ich hoffe schwer, dass die Teile importiert sind und NICHT im Wasser rumschwimmen…. *Hilfe*. Ich wollte essen und nicht gegessen werden!

Anschließend gings dann zum Pier, wir wollten uns ein Bötchen chartern und uns in die Einsamkeit transportieren lassen. War auch garnicht soo schwer, denn sobald wir uns dem Wasser genähert haben, kamen ca. 5 alte Ladies auf uns zu, die nur 2 Wörter Englisch sprachen: „Sampan Ride“?!? Und das ununterbrochen mit einer lustigen Handbewegung, die irgendwie nach rühren aussah, aber wohl ne Rundtour andeuten sollte. Das dumme an Asiaten ist, dass sie auf Fragen, die sie nicht verstehen, grundsätzlich mit „Yes“ antworten… Schade nur, wenn man denen mittels ner Karte erklären möchte, wo man hinwollte. Glücklicherweise hat eine aus der Mafiafamilie auch Englisch gesprochen, so dass wir nen guten Deal zu der anvisierten Bucht rausschlagen konnten. Mir gings mittlerweile ungefähr so wie dem Kollegen:

Denn die Luft war unglaublich. Es war heiß, die Dieselmaschinen taten ihr übriges, es roch nach Fisch und der SMOG war auch da – kurz und gut, ich hatte wirklich Probleme, zu atmen… Mein Husten war immernoch da und diese Frischtluftexperience war nicht wirklich hilfreich. Aber egal – es ging weiter: Ab auf diesen alten Diesel-Kahn und ab zur Insel!!!

 

Doch, wie es immer so kommt, kamen wir nach 30 Minuten getucker in einer Bucht an, die eigentlich nicht schlecht aussah – doch das Wasser war sowas von ekelhaft (Plastikflaschen, Dieselfilm aufm Wasser,…), so dass wir mit Händen und Füßen versucht haben zu erklären, dass das doch nicht ganz unseren Vorstellungen entspräche. Hat auch geklappt – auch wenn wir uns kurzfristig ziemliche Sorgen gemacht haben, denn die gute alte Dame wollte uns nicht mehr weiterbefördern. Wir durften also mitten auf dem Wasser „umsteigen“! Doch das nächste Boot brachte uns dann letztendlich in eine Bucht, die garnicht mal schlecht war:

Diese seltsame Steinkonstellation musste ich dringend abfotografieren ;) :

Leider war das Wetter ziemlich diesig, so dass die Sonne nicht sooo rauskam. Egal, es war ganz entspannend und wir konnten mal einen Nachmittag verbringen, der von Meeresrauschen und Vögelgezwitscher geprägt war (die Flugzeuge und den Rest konnte man nur gaaanz entfernt wahrnehmen ;) ….). Nach 4 Stunden in fast vollkommener Einsamkeit wurden wir dann auch wieder abgeholt (*schwitz*… Ich war mir dessen nicht so sicher, hatte vorher aber ausgehandelt, dass wir 50% vorher und 50% nachher bezahlen – als ne Art Versicherung…) und es ging zurück ins Chaos.

Dort war um diese Zeit „Fischmarkt“, das heißt die ansässigen Fischer präsentierten ihren Tagesfang (natürlich lebendig…) und verkauften ihn direkt am Pier (ganz ehrlich: selbst WENN ich Fisch essen würde – das Zeug würde mir nicht auf den Teller kommen… Alles, was in dieser Pampe überlebt ist garantiert genmanipuliert oder mutiert, anders geht das einfach nicht…). Wir haben dann noch schnell was gegessen (Adventure: Yeah!) und sind dann schnell nach Hause – irgendwie macht Sonne doch ziemlich müüüde. Ich lieg jetzt schön in meinem Bett und freu mich wahnsinnig, dass ich hier grad liegen kann, denn fast alle anderen sind zurück ins Wohnheim an der Uni – und das bedeutet 10m², viel zu viele Leute, Lärm, Gruppenduschen und Hitze. Mann, bin ich dankbar, dass ich hier meine eigenen 20m² hab…

Gestern hat’s mit dem Blog-Eintrag leider nicht mehr geklappt… Mein klapprige Internetverbindung im Hostel hat die Bilder nicht hochladen wollen. Dementsprechend heute morgen aus der Uni: Im Endeffekt sehen die Bilder echt spitze aus,muss selbst ich zugeben. Aber irgendwie kam das gestern am Strand nicht soo raus – muss wohl an meinem Fototalent liegen!? Oder vielleicht daran, dass man nicht aus dem Kopf bekommen konnte, wie man dahingekommen war und wie’s drumrum aussah. Echt seltsam…

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Countdown

September 15, 2007 · 4 Kommentare

Was ich noch ganz vergesse hab: I’m comin’ home for Christmas :) ! Ich hab den Flug schon letzte Woche gebucht, aber irgendwie vergessen, die frohe Kunde zu verbreiten: 23.12.2007, 12:55 Uhr, Hamburch Fluchhafen! Das wird ein Fest – irgendwie freu ich mich jetzt schon wie ein Schneekönich auf das Empfangskommitee, Weihnachten zuhause, Weihnachten bei der extended family, Schnee und Deutschland… Wunderbar!
Wer übrigens am 1.Weihnachtstagabend nichts vorhat: Große Party in Kiel :) ! Alle sind eingeladen und dürfen nach Kiel kommen. Ansonsten wird Sylvester was großes gestartet, oder nicht…?!? Ich bin SOWAS von dabei!

99 days and countin’…

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